Schon lange vor dem Erasmus-Programm haben Tausende junge Menschen aus Deutschland und Frankreich grenzüberschreitend die Vorteile von Austauschprogrammen genutzt, Sprachkenntnisse perfektioniert, Sport getrieben oder einen Beruf erlernt. Seit 1963 haben mehr als 9 Millionen junge Menschen die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich überschritten und dabei zugleich die Grenzen, die Vorurteile schüren und verursachen, überwunden. Sie haben ein Land und eine Kultur entdeckt, sie haben dort Freundschaften geschlossen und manchmal sogar Liebe gefunden. Heute sind De Gaulle und Adenauer nicht mehr da, aber sie haben ein Erbe hinterlassen: das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW).

Bis zur Corona-Krise nahmen jedes Jahr 200.000 junge Menschen an den 9.000 DFJW-Programmen teil. Wir haben selbst beim Voltaire-Programm mitgemacht und 6 Monate in einer Gastfamilie in Deutschland verbracht. Allein weggehen, so weit von zuhause, so lange? Ohne Betreuung hätten wir diesen Schritt sicher nicht gewagt, aber das DFJW bietet administrative und finanzielle Unterstützung. Und so werden aus der anfänglichen Aufregung sehr schnell wertvolle Erinnerungen und bereichernde Erfahrungen, die uns prägen, unseren Horizont erweitern und uns Toleranz lehren. 

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 brachen die Teilnehmendenzahlen ein, nur ein Fünftel der Austauschprogramme fand statt. 2021 waren es wieder mehr, aber die Situation bleibt fragil und hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Die Ziele des DFJW bleiben trotz allem unverändert: Mobilität entdecken, neue Kenntnisse und Kompetenzen erwerben, den europäischen Gedanken greifbar machen ... Das DFJW setzt sich seit langem dafür ein, dass alle jungen Menschen Zugang zu seinen Programmen haben. So werden jedes Jahr in den am stärksten benachteiligtem Stadtvierteln und Regionen spezielle Programme aufgelegt, um Austauschmöglichkeiten zu schaffen und um die Mobilität und den Austausch aller jungen Menschen zu fördern.

Wie aber kann ein Austausch stattfinden, wenn die Grenzen geschlossen sind? Durch Bildschirme kann man zwar nicht hindurchgehen, aber man kann damit kommunizieren. Und das taten junge Menschen auch. Auch das DFJW hat sich angepasst und digitale Austauschformate weiterentwickelt. Zahlreiche Kontakte zwischen jungen Menschen aus beiden Ländern konnten so unter Einhaltung der Corona-Auflagen aufrechterhalten werden. Und was kommt jetzt? Wir werden uns doppelt anstrengen, um wieder ein normales Leben führen zu können.  

Bis dahin zählt unser Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft: Öffnen wir Augen und Ohren für das, was auf der anderen Seite der Grenze passiert. Seien wir neugierig und arbeiten wir gemeinsam an einem geeinten Europa. Die deutsch-französische Freundschaft entstand lange vor uns, sichern wir ihr eine nachhaltige Zukunft! Unsere Enkelkinder werden es uns in 60 Jahren danken.

Pauline Brisset, Erwan Laurent, Reda Raki, Sepanta Salari und Marion Sillion, DFJW-Juniorbotschafter*innen

Das 2009 gegründete Netzwerk der DFJW-Juniorbotschafter:innen setzt sich für die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen ein und vertritt das DFJW bei regionalen Veranstaltungen. Es informiert junge Menschen über die Mobilitätsprogramme und Angebote des DFJW. Das Netzwerk besteht aus etwa 100 engagierten jungen Menschen, die ihre eigenen deutsch-französischen Projekte durchführen und das DFJW und seine Partner dazu inspirieren, innovative Projektideen und Konzepte zu entwickeln und den Dialog mit der Öffentlichkeit und neuen Zielgruppen zu intensivieren.