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Ein Bericht von DFJW-Juniorbotschafterin Léocadie Creach

Nikolaustag. Morgens um halb acht. Vor der Uni-Bibliothek treffe ich Marie und Josie. Es ist irgendwie immer noch mitten in der Nacht und es regnet auch noch dazu. Die Mission: die Schüler des „Centre Finistère“ an die deutsche Sprache heranführen. Damit treffen wir genau den Nerv der Deutschlehrerin (diese hatten wir im Deutschen Haus in Brest getroffen und einen Besuch von uns an ihrer Schule hatte sie sich ausdrücklich gewünscht).

Nach über einer Stunde auf der Autobahn parken wir endlich vor dem „Collège Notre-Dame-des-Portes“ in Châteauneuf-de-Faou – wohlgemerkt in Josies kleinem Opel, mit dem die Kielerin zu ihrem Studium in Brest aufgebrochen war. Nach einem Start-Kaffee im Büro der Lehrerin geht’s los. Rätselhafte Blicke in den Gängen. Wir sind wie Eindringlinge, unbekannte Gesichter, Gestalten wie fehl am Platz an diesem Freitagmorgen.

Die erste Stunde am Vormittag bei der 5B. Um die 20 Schülerinnen und Schüler, die seit dem letzten Herbst Deutsch lernen, setzen sich. Wir stellen uns erst einmal vor, jede in ihrer Muttersprache. Als Josie los redet, breitet sich im Saal plötzlich eine ebenso verwirrte wie neugierige Stille aus… Ich stelle ihnen Fragen, helfe ihnen, übersetze, wenn nötig. Zufriedene Gesichter machen sich breit, als die Schülerinnen und Schüler feststellen, dass sie doch mehr verstehen, als zunächst gedacht hatten. Nach einem kurzen Film über das deutsche Phänomen Weihnachtsmarkt zeigen wir den Jungs und Mädels typisches Weihnachtszeug: den Adventskranz, den Weihnachtsstern, Plätzchen und natürlich den Tannenbaum, der ein ganz anderes Kleid trägt als der eigene zu Hause in Frankreich… Josie berichtet, wie sie traditionell Weihnachten feiert, wie sie sich, schon als Kind, in den ersten Dezembertagen immer nach der Schule auf die „Weihnachtsbäckerei“ freute. Und natürlich erinnert sie sich noch verdammt gut daran, wie ihr kleiner Bruder den Tannenbaum mit den echten Kerzen umstieß und sich ein Brand ankündigte…

Die erste Stunde vergeht also wie im Flug. Die Pausenglocke unterbricht unser gemeinsames „O Tannenbaum“, dessen Wörter auf der großen Tafel stehen. Die wohl verdienten Weihnachtskekse sind blitzschnell weg; uns kommen ganz viele „Frohe Weihnachten“ und „Danke schön“ entgegen. Und so verfliegt der Morgen mit der energischen Gruppe ganz schnell. 

Dann treffen wir die 3e, zusammen mit der 5a, dann weiter zur 4e, eine sympathische Klasse mit sieben ganz neugierigen Deutschschülerinnen und -schülern, die uns die Ehre erweisen und sich alle auf Deutsch vorstellen und uns dann ihr Projekt „E-twinning“ präsentieren – ihr „heißer Draht“ zu Schülerinnen und Schülern ihres Alters auf der anderen Seite des Rheins.

Am Nachmittag geht es weiter Richtung Carhaix, 20 Minuten mit dem Auto von Châteauneuf. Alle von der 6e da, los geht’s! Aber dieses Mal stellen wir uns alle auf Deutsch vor. Sogleich geht das Getuschel in den Reihen los, als wir fragen, ob wir alle die gleiche Staatsangehörigkeit besitzen, und dann hebt sich eine Hand: Nein. Da sind eine richtige Deutsche und zwei falsche Deutsche. Und prompt geht es los! Es hagelt Fragen in der Gruppe. Sind alle deutschen Mädchen groß und blond, fragen sie uns. Tja, stellt sich aber heraus, dass Josie zwar groß ist, aber dunkelbraune Haare hat...

Die Schülerinnen und Schüler zeigen uns stolz, was sie bereits können und bestehen am Ende darauf, uns das deutsche Lied vorzuspielen, mit dem sie sich auch im Musikunterricht gerade beschäftigen. Die Lehrerin wirft gleich den Remix „Dynamite“ von Alexi Bexi an. Und zack: Obwohl sie gerade mal ein Viertel der Wörter verstehen, die über den Bildschirm laufen, singen die Jungs und Mädels lautstark mit und wippen auf ihren Stühlen - bereit, die Tanzfläche zu stürmen. Und es lässt nicht lange auf sich warten und schon ist bei dieser Begeisterung ein Tanzprojekt für die nächste Schulfeier entstanden. Im Gegenzug gibt’s von uns „Einmal um die Welt“ von Cro auf die Ohren. Die Jugendlichen sind wie gefesselt und dabei finden wir heraus, dass der ein oder andere schon mal nach deutscher Musik gesucht hat, und einige schon längst Fans des Panda-Sängers sind! Für die zweite Gruppe - die Klassen 5e und 4e - am Nachmittag gibt’s das gleiche Programm – mit dem gleichen Ergebnis.

Und auch im Januar werden wir versuchen, auch die ganz Unentschlossenen mit Hilfe aktueller Musik davon zu überzeugen, wie viel sie gewinnen können, indem sie sich dafür entscheiden, die deutsche Sprache zu lernen!

Léocadie Creach, DFJW-Juniorbotschafterin