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Ein Bericht von Niklas Gutknecht, DFJW-Juniorbotschafter

Eine Jugendbegegnung? Klasse! Noch dazu deutsch-französisch? Yeeay! Und das alles noch im historischen Kontext vom 1. Weltkrieg? Sofort bewerben.

Und tatsächlich hatte ich das Glück, an der deutsch-französischen Jugendbegegnung, und auch Präsidentenbegegnung, teilzunehmen. Anlass war 100 Jahre Erster Weltkrieg und das damit verbundene Zusammentreffen des französischen Präsidenten Hollande und des deutschen Bundespräsidenten Gauck. Rahmenprogramm waren sechs verschiedene Workshops, die in enger Kooperation mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und der französischen Jugendorganisation "Les Francas" angeboten wurden:Bewegungstheater, Foto, Comic/Slam, Zukunftsmuseum 2114, Graffiti und Theater - alles im Zusammenhang mit dem 1.Weltkrieg. Da ich momentan als Juniorbotschafter auf großer DFJW-Fahrradtour auf den ehemaligen Fronten von 1914 unterwegs bin, umso interessanter!

Ich fahre nach Colmar, wo am Bahnhof ein großes Banner und viele kleine gelbe Namensschilder schon auf das DFJW aufmerksam machen, und sehe auch einige altbekannte Gesichter - vor allem aber neue, viele neue Gesichter, die alle kennengelernt werden wollen. 100 Jugendliche – ganz schön viele für vier Tage! Wir fahren zur Unterkunft in Kientzheim, wo es nach der Einführungsveranstaltung ein leckeres Abendessen gibt, viele kleine amuse-gueules!

Am Freitag begannen die Workshops, und am Nachmittag, je nach Gruppe, ein Besuch auf dem deutschen Soldatenfriedhof Cernay, einem Museum und des Hartmannsweilerkopfes. Ich war in der Fotogruppe: Nach einer kurzen technischen Einführung haben wir auf dem deutschen Soldatenfriedhof angefangen, Bilder zu knipsen. Ein komisches, beklemmendes Gefühl, da gemeinsam mit jungen Franzosen, in vollem Frieden und gemeinsam auf den Gräbern von Soldaten in unserem Alter zu stehen, die in Frankreich einmarschieren wollten. Vielleicht sind das unsere Urgroßväter, die sich hier bekämpft haben?! An dieser Stelle schon mal ein Dankeschön an die Franzosen für die Aussöhnung - schließlich musste Frankreich dreimal ziemlich unter den Deutschen leiden. Ich staune noch immer und bin sehr dankbar für dieses friedliche Europa! Umso besser, jetzt ohne jede Ressentiments neben- und mit einander leben zu können, es scheint, wir haben die Lektion, die Israel/Palästina oder Ukraine/ Russland noch erfahren müssen, schon gelernt. Das einzige Problem zwischen Deutschen und Franzosen ist höchstens ein sprachliches - und oft nicht mal das. Eher das Vollkornbrot vs. Baguette?

Der Samstag wurde im Lycée Blaise Pascal mit den Workshops und schließlich mit einer Diskussion mit einem deutschen und einem  französischen Historikern verbracht. Der Höhepunkt des Tages, vielleicht sogar der ganzen Begegnung, war für mich das Fest auf der Rheininsel bei Breisach. Eine fast festliche, spannende Atmosphäre! Die deutsch-französische Freundschaft war hier fühlbar, fast greifbar. Ein Ballon, der auf der Rheininsel, französisches Territorium, befestigt war, wurde von einer Laserkanone auf deutscher Seite angeleuchtet, als eine Art Verbindung über Grenzen, Brücken bauen zu den Freunden. Unter anderem mit dem DFJW-Logo und dem Spruch: "Vive l'amitié franco-allemande!". Außerdem wurden von den 100 Jugendlichen 100 Himmelsfeuer, eine Art Lampions, in den deutsch-französischen Himmel losgelassen, was dann im lauen Rheinabend ein schönes Bild ergab! Unglaublich, 100 Jahre nach dem großen Krieg - schwer vorstellbar für mich, die Generation Y mit Erasmus- und Mobilitätserfahrungen, die selbstverständlich erscheinen. Und im Gespräch mit vielen älteren Leuten - Beispiel: zwei (!) Schüler von 300 durften für wenige Wochen ins Ausland - erfährt man dann das Gegenteil.

Am Sonntag erfolgte dann die Zeremonie mit den beiden Staatspräsidenten am Hartmannswillerkopf. Alle waren bissle aufgeregt, Sicherheitskontrolle. Dann fahren wir hoch zum Hartmannsweilerkopf und warten auf die beiden Präsidenten. Es werden die Nationalhymnen gespielt - man hört die deutschen Strophen kaum, da können sich die Deutschen ruhig eine Scheibe bei den Franzosen abschneiden, es erschallt die Marseillaise.

Es wurden jeweils eindrucksvolle Reden gehalten. Dann laufen die Präsidenten herum, schütteln Hände - auch ich bin zu dieser Ehre gekommen, witziges Gefühl - gefolgt von vielen Selfies und Gesprächen mit den Präsidenten. Präsident Gauck ist richtig ins Erzählen rein gekommen, sehr gemütlich und interessant hat er über Oradour-sur-Glane, seine Beziehung zu Frankreich und Wünsche für Europa gesprochen.

Dann wurde noch die Friedensbotschaft übergeben, von zweien Jugendlichen, einer Deutschen und einem Franzosen. Dann sind wir zurück gefahren, die Workshops wurden abgeschlossen. Ich selbst habe meine besten Fotos ausgedruckt, auf eine Wand geklebt, die später eine Ausstellung gegeben hat. Dann wurde dann noch jeder Workshop präsentiert, viele erhielten Ovationen. Besonders beeindruckt haben mich die Jungs und Mädels vom Bewegungstheater, die ein ergreifendes und gut eingeübtes Stück vortrugen: alle freuen sich und hüpfen herum (nach Pharells: 'cause I'm happy...), bis nach und nach die Männer
umfallen, während die Frauen weitertanzen und dann gemeinsam in einen militärischen Gleichschritt verfallen. Und die Frauen bleiben allein zurück - sehr anschaulich und eindrucksvoll! Theater-, Film- und Youtube-reif war das!

Und schließlich folgte ein deutsch-französische Abschiedsfest, wo nochmal ausgelassen getanzt wurde. Ich finde, alles in allem eine äußerst spannende und spaßige Erfahrung, mit den geschichtlichen Dingen und den beiden Soldatenfriedhöfen dazu lehrreich und mit den Workshops noch dazu sehr kreativ. Eine tolle Mischung! Absolument à recommander et à répéter - peut-être en 2114 avec 200 jeunes ?!