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Vor 55 Jahren wurde der Élysée-Vertag unterschrieben. Das Dokument, das damals vom deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle besiegelt wurde, gilt noch heute als Grundstein der beispielhaften Freundschaft der beiden Länder. Dank des Élysée-Vertrags wurde 1963 nicht nur das DFJW erschaffen, sondern auch die enge Abstimmung der Länder in allen Fragen der Außen- und Verteidigungspolitk beschlossen. Dieser Einigung gelang es, die historische „Erbfeindschaft“ beizulegen, die die Länder vor ihrer Versöhnung jahrhundertelang gezeichnet hatte.

Inspiriert von der Sorbonne-Rede des aktuellen französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den Feierlichkeiten zum 55. Jahrestag haben vier DFJW-JuniorbotschafterInnen ein Projekt ins Leben gerufen, dass auf die epochalen Erfolge es Vertrags aufbauen soll. Unter dem Namen „Élysée 2.0.19“ wollen Sophia, Philip, Grégory und Émilie Vorschläge von jungen Menschen in ganz Deutschland und Frankreich für eine Neuauflage des bilateralen Freundschaftsabkommens sammeln.

Die Kampagne gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sowohl online als auch offline ihre Ideen einzubringen: die Vorschläge können auf der Webseite des Projekts eingereicht und bei regionalen Veranstaltungen entwickelt werden.  Ziel ist es, die Vorschläge Ende des Jahres dem deutschen Kanzleramt und dem französischen Élysée-Palast zu übergeben.

Um mehr über diese mutige Initiative herauszufinden, haben wir die vier InitatorInnen des Projekts zum Interview getroffen.

Woher kommt ihr, was macht ihr gerade und woher kommt das Interesse an den deutsch-französischen Beziehungen?

Sophia :

Ich bin Deutsche und ich komme aus Nürnberg. Ich bin 23 Jahre alt. Ich bin seit meiner licence (Bachelor) in Paris und bin jetzt auch für meinen Master dort geblieben. Ich studiere Affaires Europeennes (Europäische Angelegenheiten) an der Sorbonne. Für mich hat das Interesse an diesen Themen schon sehr früh begonnen. Freunde meiner Eltern sind Franzosen und haben Kinder in meinem Alter, mit denen ich als Kind viel Zeit verbrachte. Später führte mich mein erster Schüleraustausch nach La Réunion, zwei unvergessliche Wochen! An meinem  Gymnasium in Nürnberg besuchte ein Seminar, bei dem wir ein deutsch-französisches Projekt auf die Beine stellen sollten. Wir haben dann dort einen kulturellen Abend organisiert. Insgesamt hatte ich immer sehr motivierende FranzösischlehrerInnen und deshalb dachte ich mir, dass es cool wäre, in Frankreich zu studieren.

Philip:

Ich bin 25 und studiere in Frankfurt am Main meinen Master in Politischer Theorie. Ursprünglich komme ich aus Aschaffenburg. Zum Deutsch-Französischen bin ich nach und nach gekommen. In der Schule hat mir die Sprache schon sehr gefallen, ich habe das Fach aber dann abgelegt, weil ich leider keine sehr motivierenden LehrerInnen hatte. Im Studium habe ich das Ganze aber wieder aufgenommen und wurde da von einem tollen Dozenten sehr inspiriert (Christophe Hohwald an der Uni Lüneburg, merci infiniment!). Ich habe dann über Couchsurfing in Marseille und persönliche Kontakte auf Reisen Frankreich immer mehr schätzen gelernt. Über eine Bekannte habe ich dann über das Juniorbotschafterprogramm des DFJW erfahren und mich bei der neuen Ausschreibung dafür beworben.

Grégory :

Ich komme aus Frankreich, aus der Nähe von Lyon und bin 25. Ich studiere in Regensburg Deutsch-Französische Studien. Ich habe bereits in der Grundschule angefangen Deutsch zu lernen. Über die Jahre hinweg hat mir die Sprache immer mehr Spaß gemacht. Ich habe dann auch an dem Programm „Job in der Partnerstadt“ teilgenommen. Zwischen 2013 und 2014 habe ich einen deutsch-französischen Freiwilligendienst im Rahmen eines Programms des DFJW absolviert. Ich habe inzwischen an mehreren tollen Veranstaltungen vom DFJW teilgenommen und mich als Juniorbotschafter engagiert. Ich habe sogar dort ein Praktikum gemacht. Jetzt bin ich bei „Élysée 2.0.19“ und engagiere mich hier weiter.

Émilie :

Ich bin 23 und komme aus Frankreich. Ich studiere Jura und absolviere gerade ein Praktikum beim Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung in Paris. Ich habe erst in der sixième (5. Klasse) begonnen, Deutsch zu lernen. Drei Jahre später habe ich am Brigitte Sauzay Programm des DFJW teilgenommen.  Hier habe ich meine Korrespondentin kennengelernt, mit der ich noch heute befreundet bin. Das ist auch  der Grund, warum ich mich direkt nach dem Abi entschieden habe, in Deutschland Jura zu studieren. Seit drei Jahren gehöre ich zudem jetzt zur tollen Familie der JuniorbotschafterInnen.

Wie ist das Projekt „Élysée 2.0.19“ entstanden und was macht das Projekt für euch aus?

Philip:

Es kam nach und nach zu der Idee. Am Anfang stand die Organisation eines Events zum Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar in Paris. Wir hatten geplant, die Rede von Emmanuel Macron aus Ausgangspunkt zu nehmen für eine Veranstaltung mit Jugendlichen, die sich damit beschäftigen soll. Im Laufe der Vorbereitungen kam uns dann die Idee, dass es schade wäre, das nur an einem einzigen Tag und nur in Paris zu machen. Eigentlich ist es mit dem Geist des Projekts nicht vereinbar, so etwas nur in der Hauptstadt Paris stattfinden zu lassen, wo sowieso schon viel im deutsch-französischen Bereich passiert. Wir wollten das Ganze ausweiten, gerade auch weil uns die Werte Diversität und Partizipation des DFJW wichtig sind. Deshalb lag es nahe, alle JuniorbotschafterInnen um Unterstützung zu bitten und unser gesamtes Netzwerk zu mobilisieren, da wir ja circa 100 JuniorbotschafterInnen sind in beiden Ländern.

Was genau ist euer Ziel mit dem Projekt? Warum habt ihr es ins Leben gerufen?

Sophia:

Wir befinden uns gerade an einem sehr wichtigen Zeitpunkt: 2019 soll ein neuer Élysée-Vertrag unterzeichnet werden. Wir wollen die Ideen möglichst vieler Jugendlicher aus Deutschland und Frankreich in diesen Prozess einfließen lassen. Konkret machen wir das auf zwei bzw. drei Wegen. Erstens sollen wir mithilfe der JuniorbotschafterInnen überall in den beiden Ländern Veranstaltungen zu dem Thema stattfinden, bei denen junge Menschen ihre Ideen einbringen können. Zweitens, um noch mehr Leute zu erreichen, haben wir die Webseite ins Leben gerufen, auf der jeder seine Vorschläge für den neuen Vertag einreichen kann. Außerdem haben wir Postkarten erstellt, mit denen Leute auf unsere Kampagne aufmerksam gemacht werden sollen.

Philip:

Genau. Bei den Veranstaltungen ist es unser Ziel, in jedem Bundesland und in jeder Région mindestens eine Veranstaltung zu machen, bei der die Leute Vorschläge einbringen können.

Gab es denn schon Veranstaltungen zu der Kampagne?

Grégory:

Bis jetzt gab es zwei Veranstaltungen in Leipzig und Berlin. Emilie kann nähere Informationen zu diesen beiden Veranstaltungen geben.

Émilie :

Ja genau,Virginia aus Leipzig hat schon im Juni ein Projekt mit die Histoire-Klasse des Reclamgymnasiums realisiert. In Berlin hat Bradley eine Veranstaltung mit französischen Ausbildenden, die im Mobilität mit Erasmus+ waren, organisiert.

Und auf der Webseite – habt ihr hier schon Vorschläge erhalten?

Grégory:

Ja, bis jetzt haben wir mehr als 70 Vorschläge – vor allem aus Frankreich. Dabei geht es meistens um ganz praktische Themen, die die Leute im Alltag beschäftigen.

Da wir neue Partner (Goethe Institut, Ministère de l’Europe et des Affaires étrangères, das Auswärtiges Amt) gewonnen haben bekommt das Projekt mehr Aufmerksamkeit und ist durch diesen Partner glaubwürdiger als zu Beginn. Wir werden in den nächsten Wochen neue Kooperationen abschließen. Deshalb machen wir uns keine Sorge über die Anzahl der Vorschläge.

Warum findet ihr es wichtig, euch jetzt ausgerechnet für die Neuauflage dieses Vertrags zwischen Deutschland und Frankreich einzusetzen? Was macht diese Freundschaft für euch besonders?

Sophia:

Was die besondere Freundschaft der beiden Länder angeht, ist das in erster Linie natürlich eine historische Verbindung. Aber für mich ist auch die wirtschaftliche, kulturelle und politische Vernetzung sehr bedeutend.

Wir sind selbst alles junge Erwachsene, die sowohl in Deutschland und in Frankreich studiert, gelebt und gearbeitet haben oder dies noch tun. Dadurch wissen wir, was in den deutsch-französischen Beziehungen verbessert werden muss oder kann.

Émilie:

Es ist auch sehr wichtig, dass Politik, die junge Menschen betrifft, auch von ihnen mitgestaltet wird. Denn sie wissen selbst am besten, was sie für die Zukunft brauchen.

Grégory:

Die Neuauflage dieses Vertrags ist für uns die Gelegenheit, die Meinung von Jugendlichen zur Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu erfragen. Ich glaube, dass es derzeit sehr wichtig ist zu hören, was die Jugendlichen zu sagen haben. Die Jugend ist die Zukunft und es ist wichtig, dass die Jugendlichen sich bereits jetzt engagieren können.

Was sind für euch Probleme, die Jugendliche in Deutschland und Frankreich haben, die man durch eine bessere Kooperation zwischen den Ländern lösen könnte?

Philip:

Ich habe jetzt sofort intuitiv an Bildungschancen gedacht. Ich bin aktuell auch Juniorbotschafter für Diversität und Partizipation. Hier merke ich immer wieder, dass nicht alle von der internationalen Mobilität profitieren können, die für andere fast selbstverständlich ist. Ich denke dabei an Austauschprogramme, aber auch integrierte Ausbildungs- und Studiengänge, die in mehreren Ländern stattfinden. Ich fände es zum Beispiel wichtig, dass auch Auszubildende öfter und länger im Rahmen ihrer Ausbildung zum Beispiel nach Frankreich gehen können.

Auch ihr habt eine gute Idee für die Neuauflage des Élysée-Vertrags? Dann schickt sie Sophia, Philip, Grégory und Émilie noch bis Ende des Jahres auf ihrer Webseite!