Wie bist du auf die Idee gekommen, JuBo zu werden?

2008 war ich Mitglied der Deutsch-Französischen Vereinigung der Auszubildenden und Fachkräfte, die hauptsächlich durch ihre Stammtische in Deutschland und Frankreich bekannt sind. Dort wurde ich auf das Programm während der vom DFJW organisierten Rallye Paris-Berlin aufmerksam.

Wie passte dieses Mandat in deinen deutsch-französischen Werdegang?

Erst einmal nicht ganz. Ich bin nicht deutsch-französisch aufgewachsen, sondern lernte die Sprache erst mit 13 Jahren. Schnell entwickelte sich aber bei mir eine echte Leidenschaft für die Sprache. Ich war sehr begeistert, mich auf Deutsch ausdrücken zu können. Allerdings habe ich während meiner Schulzeit an keinem Programm des DFJW (z. B. Voltaire oder Brigitte-Sauzay) teilgenommen. Das JuBo-Netzwerk war daher meine erste „richtige“ Erfahrung mit dem DFJW.

Was war dein größter „Erfolg“ als JuBo?

Ich engagierte mich vor allem auf trilateraler Ebene, um die Beziehungen zu den Balkanländern, meiner Heimat, auszubauen. Aber ich habe auch an vielen lokalen Initiativen in der Region, insbesondere in Toulouse, teilgenommen. Das Feedback war immer positiv. Ein besonderer Moment war der 50. Geburtstag des DFJW, der für mich in zweierlei Hinsicht spannend war: zum einen die ganzen Feierlichkeiten, zum anderen die Organisation eines deutsch-französisch-kroatischen Projekts anlässlich des Beitritts Kroatiens in die Europäische Union (EU). Deshalb habe ich die Aufgabe übernommen, acht lokale Sprachverbände zum Thema Kroatien in Kontakt zu bringen. Besonders geholfen hat mir dabei die Erfahrungen der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Ziel war es, Menschen an das Land und dessen Kultur heranzuführen, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Vereinen zu verbinden und neue Austauschmöglichkeiten zu schaffen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg: Von 100 erwarteten Personen waren 350 anwesend! Dank solcher Projekte sehen wir die Bedeutung von Verbindungen. Das DFJW hat es mir ermöglicht, die Beziehung zwischen verschiedenen Akteuren herzustellen und ein sehr vielfältiges Publikum miteinander in Kontakt zu bringen.

Welche Änderungen hast du zwischen dem Beginn des Programms und jetzt bemerkt?

2009 waren wir 50 JuBos. Seitdem hat das Programm an Größe gewonnen. Heute gibt es sogar bestimmte Kategorien von JuBos: junge Menschen, die sich in der Kommunikation, auf regionaler Ebene, für Vielfalt und Partizipation sowie für trilaterale Programme stark machen. Vor zehn Jahren mussten wir erst einmal mit der (Projekt-)Freiheit, die wir hatten, umgehen lernen. Heute werden die JuBos stärker an die Hand genommen. Das Programm ist sozusagen professioneller geworden. Für mich war es anfangs schwierig, mich vor Ort bekannt zu machen. Die Region Okzitanien ist stärker auf Spanien ausgerichtet und die Zahl der JuBos pro Region war nicht groß. Ich musste meine Sprachnetzwerke nutzen, nach und nach war ich immer besser vernetzt. Mittlerweise ist das Eis gebrochen und es gib mehr JuBos in den Regionen. Heute kommen vor allem die Institutionen und Organisationen auf die JuBos zu, 2009 war das noch anders.

Was hast du als JuBo gelernt?

Eine Menge! Erstens, sehr interessante Methoden der Sprachanimation, die ich oftmals in meinem Berufsalltag anwende. Auch die Methoden des Projektmanagements haben mir sehr geholfen, sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene. Während meiner Zeit als JuBo habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zuerst ein lokales und dann ein internationales Netzwerk aufzubauen. Mein Mandat ermöglichte es mir auch, Verantwortung zu übernehmen, zu entdecken, wie ein Unternehmen funktioniert, und mich international zu engagieren.

Was sind deine schönsten Erinnerungen?

JuBo zu sein, ist auch eine Geschichte der Gemeinsamkeiten und des Teilens: Wir teilen eine „Mission“, Werte und Interessen, aber auch großartige Erinnerungen während der Seminare. Ich erinnere mich besonders an das Jahr 2010, als wir alle den Eurovision Song Contest (und den Sieg Deutschlands!) in Essen sahen, oder die faszinierenden Begegnungen während einer Bootsfahrt auf der Seine mit den Bateaux-Mouches...

Hast du Wünsche oder Anregungen für die Zukunft des Netzwerks?

Zunächst einmal die Kontinuität. Persönlich bin ich mit mehreren JuBos aus dem ersten Jahrgang in Kontakt geblieben. Mir ist das Netzwerk sehr wichtig. Damit wir untereinander und jahrgangsübergreifend besser miteinander in Kontakt bleiben können, würde ich die Einrichtung einer Website empfehlen, auf der alle Profile ehemaliger JuBos aufgelistet sind.

Welche Ratschläge gibst du den neuen JuBos mit auf den Weg?

Kurz gesagt: Es ist wichtig, motiviert und reaktionsschnell zu bleiben, aber auch informiert und in Kontakt mit den ehemaligen JuBos zu sein!

Warum sollte man JuBo werden?

Dieses Ehrenamt ist eine sehr bereichernde persönliche und berufliche Erfahrung. Als JuBo vertretet ihr eine internationale Institution und übernehmt Verantwortung. Mit dem Programm können wir uns mit Vereinen und Verbänden vernetzen und auch berufliche Kontakte knüpfen. Während des Mandats lernen wir nützliche Methoden, gewinnen Selbstvertrauen und erfinden uns neu: Dank der Aktionen mit dem DFJW konnte ich meine Berufschancen erhöhen und mich letztendlich mit meinem Herkunftsland durch die Organisation trilateraler Projekte versöhnen.

Nach ihrem Mandat als Juniorbotschafterin war es Selma sehr wichtig, ihr Engagement fortzusetzen: Sie blieb in Kontakt mit den neuen JuBos in ihrer Region, um Erfahrungen auszutauschen, sie zu unterstützen und Veranstaltungen mit ihnen zu organisieren. Sie macht mit großem Einsatz weiter und bleibt aktiv, auch als Alumni.