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Am Samstag, den 9. Mai 2015 war Europatag der Europäischen Union. An diesem Tag schlug der französische Außenminister Robert Schuman vor genau 65 Jahren in einer Rede in Paris die Gründung einer Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl vor. Diese Idee, auch Schuman-Plan genannt, mündete schließlich in die Gründung der Montanunion – der Grundstein der heutigen Europäischen Union.

Seitdem ist viel passiert – die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft  (EWG) wurde gegründet, Mitgliedsstaaten kamen hinzu, Verträge und Strategien wurden ausgearbeitet, Reformen durchgeführt, kleine und größere Krisen bewältigt. Heute ist Europa ein Teil unserer Identität und die EU-Politik fast omnipräsent.

Die DFJW- Juniorbotschafter haben den Europatag zum Anlass genommen, sich bei der jüngeren Generation in Deutschland und Frankreich umzuhören: Was denken junge Menschen wie du und ich über Europa, welche Themen beschäftigen uns am meisten und was würden wir vielleicht ändern wollen, wenn wir selber in Brüssel mitreden könnten?

Wir haben einige interessante Antworten erhalten. Lest selbst!

Paula & Julia (beide 23, Studentinnen der Kulturwissenschaften)

Was bedeutet es für euch Europäerinnen zu sein?

Paula: Ich finde es gut, dass wir so viele Freiheiten haben und einfach von Land zu Land reisen können und dass wir irgendwie eine Gemeinschaft sind.

Julia: Das stimmt. Durch die Mobilität kann man schneller internationale Kontakte knüpfen, weil es eigentlich keine Grenzen mehr gibt. Ich denke dabei immer an diesen internationalen Zusammenhalt.

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen euch im Moment am meisten?

Paula: Da ich russische Vorfahren habe, muss ich sofort an die Politik zwischen Deutschland und Russland denken. Die ist ja momentan ziemlich schwierig und das beschäftigt mich eben in letzter Zeit. Und natürlich die allgemeine Politik, von der man immer in den Nachrichten hört. Was betrifft Deutschland, was wurde beschlossen, usw.

Julia: Ja, ich muss auch als erstes an den Konflikt mit der Ukraine und Kiew denken. Dann natürlich in letzter Zeit die Anschläge in Frankreich. Und eben so ziemlich alles, was gerade aktuell ist. Zum Beispiel die Sache mit den ertrunkenen Flüchtlingen.

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdet ihr verändern oder verbessern wollen?

Paula: Da muss ich überlegen, das ist ja immer schwierig. Man fordert ja immer viel, aber wenn man selber in der Position ist, ist die Umsetzung gar nicht so einfach. Natürlich wünsche ich mir, dass wir als Bürger mehr Mitspracherecht haben und mehr bewirken können. Mehr Transparenz zwischen Bürgern und Politikern.

Julia: Ich sehe das genauso. Aber ich stelle es mir auch schwierig vor.

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Sebastian (25, Promotionsstudent Jura)

Was bedeutet es für dich, Europäer zu sein?

Umfassende Freiheit. Man kann überall hin und lebt in einer Idee einer gewissen Wertegemeinschaft, die natürlich noch am Anfang steht, aber doch eine interessante Entwicklung nimmt.

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen dich im Moment am meisten?

Auf jeden Fall die Asylfrage. Es kann nicht sein, dass Menschen an den Grenzen sterben und niemand macht was. Das ist wirklich traurig und passt auch nicht zur Wertegemeinschaft. Im Übrigen muss man wahrscheinlich auch die Gesetzgebungspraxis bzw. die Normgebungspraxis daraufhin überprüfen, ob die nicht irgendwann zu weit weg rückt von unmittelbarer Demokratie. Ich glaube das wäre auch ein Ansatz, um in der Bevölkerung ein größeres Verständnis für EU-Fragen herzustellen. Denn ich habe den Eindruck, dass die Masse nicht unbedingt Bescheid weiß, wo Vorschriften herkommen, was Richtlinien für Aussagen haben, wie die Umsetzung erfolgt und so weiter. 

Das führt auch direkt zur letzten Frage: Wenn du die Möglichkeit hättest, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdest du verändern oder verbessern wollen?

Wenn das so einfach wäre. Ich glaube, das Bewusstsein für gesamteuropäische Fragen ist entscheidend. Also weniger das nationalstaatliche Denken, sondern ein europäisches Denken und ein Fokus darauf, was die Vorteile der europäischen Gemeinschaft sind – im Vergleich zu einer rein nationalen Orientierung. Das würde wahrscheinlich schon in vielen Fällen weiterhelfen.

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Christopher (22, studiert Slawistik und Geschichte)

Was bedeutet es für dich, Europäer zu sein?

Das hat zunächst erstmal eine geografische Bedeutung. Es ist ein Kontinent, das, was mich räumlich umgibt. Und dann natürlich auch geschichtlich in gewisser Weise, weil Europa auch eine lange gemeinsame Geschichte hat – eine sehr konfliktreiche Geschichte, die aber das Europa, wie wir es jetzt kennen, geformt hat.

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen dich im Moment am meisten?

Ganz klar die Flüchtlingspolitik, die Abschottung nach außen, während eigentlich viel wert gelegt wird auf die großen europäischen Werte. Das halte ich für einen ziemlich großen Widerspruch.  Andererseits beschäftigt mich längerfristig auch die Vereinheitlichung der EU, die für mich persönlich natürlich gute Seiten, aber auch ihre Schattenseiten hat. Es gab ja zum Beispiel die „Normgurke“, das hat sehr absurde Züge angenommen. Und dann natürlich auch der wirtschaftliche Aspekt. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass die EU ja in erster Linie ein wirtschaftliches Projekt ist.

Das führt auch direkt zur letzten Frage: Wenn du die Möglichkeit hättest, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdest du verändern oder verbessern wollen?

Das ist schwierig zu sagen, weil das EU-Parlament nur wenig Einfluss hat. Ein erster Punkt wäre natürlich, die Flüchtlingspolitik zu ändern und diese Abschottung zu beenden. Das wäre das Thema, was ich am meisten anpacken würde. Und ich würde vielleicht mehr auf eine Entspannung mit Russland hinarbeiten und nicht mehr mit der beidseitigen Konfrontationsstrategie weitermachen.

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Aymen (29, Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften)

Was bedeutet es für dich, Europäer zu sein?

Für mich bedeutet Europäer sein zu einer Gemeinschaft zu gehören, die sich durch Toleranz und die Akzeptanz einer kulturellen und intellektuellen Diversität auszeichnet, die über den geografischen, kulturellen und ideologischen Grenzen steht. Es geht nicht darum, eine einheitliche Identität oder Kultur in dieser Europäischen Gemeinschaft zu schaffen, sondern darum, gemeinsame demokratische Werte zu haben und die Völker zu vereinen und zu schützen, die diese Werte teilen. Für mich als Deutschen mit tunesischen Wurzeln gibt mir Europäisch zu sein die Möglichkeit, mich als Weltbürger zu identifizieren, was ja auch die Tendenzen der modernen Gesellschaft widerspiegelt.

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen dich im Moment?

Angesichts der Bürgerkriege und Naturkatastrophen überall auf der Welt, aber vor allem auch in besonders benachteiligten Regionen ist es besonders wichtig, dass wir als privilegierte Gemeinschaft in der Europäischen Union darüber nachdenken, wie wir die von Krisen betroffenen Völker unterstützen und aufnehmen können. Außerdem betrifft uns alle auch die Diskussion um das Transatlantische Handelsabkommen, die umso mehr Transparenz erfordert.

Wenn du die Möglichkeit hättest, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdest du verändern oder verbessern wollen?

Ich fände es gut, wenn die Europäische Identität nicht nur als geopolitisches und wirtschaftliches Konzept wertgeschätzt werden würde, sofern sie die Identität einer offenen und belesenen Person wiedergeben soll, die sich mit den Problemen der modernen Gesellschaft und der sozio-kulturellen Geschichte Europas auseinandersetzt.

In diesem Sinne wäre vielleicht ein Kurs zum Thema „Europäische Staatsbürgerschaft“ in den Bildungsanstalten aller Mitgliedsländer einzuführen.

Außerdem wäre es gut, wenn die Diskussionen rund um das Transatlantische Handelsabkommen mit mehr Transparenz geführt würden und es für die Bürger mehr direkte Mitsprachemöglichkeiten gäbe. Ich würde öffentliche Foren zu diesem Projekt einführen.

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Felix (22, Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften)

Was bedeutet es für dich, Europäer zu sein?

Europäer zu sein, bedeutet für mich vor allem, innerhalb eines politisch und wirtschaftlich harmonischen Territoriums von vielen Privilegien profitieren zu können: Reisefreiheit, gemeinsame Währung, Sicherheit und Qualitätstandards, zum Beispiel für Lebensmittel.

Welche Themen der Europäischen Politik beschäftigen dich im Moment?

In meinen Augen ist das wichtigste Thema im Moment das der gemeinsamen Beziehungen, sprich das Politische, denn das Bündnis bildet ohne Zweifel den Sockel eines starken und nachhaltigen Europas. Anders ausgedrückt: Es sollte zwischen den Mitgliedsstaaten immer verhandelt, diskutiert und sich gegenseitig zugehört werden, um Spannungen und Konflikte zu vermeiden, die das Projekt Europa irgendwie bedrohen könnten, wie zum Beispiel die Geschehnisse in Griechenland.

Wenn du die Möglichkeit hättest, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdest du verändern oder verbessern wollen?

Europäisch zu sein und sich europäisch zu fühlen, sind zwei sehr unterschiedliche Dinge und meiner Meinung nach fehlt es in Europa vor allem an einer „Europäischen Kultur“, sprich an sichtbaren Elementen in unserem Alltag, die uns zumindest teilweise das Gefühl geben, Gemeinsamkeiten mit den Bürgern anderer Länder zu haben. Ich würde also vor allem zur Konstruktion einer solchen Kultur beitragen wollen, durch die Entwicklung verbindender europäischer Element, die zwischen allen Europäern eine Brücken bauen: Verbraucherprodukte, Schulunterricht, Verkehrsmittel, Kommunikation…es gibt so viele Dinge, die uns das Gefühl geben, Europäer zu sein.

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Laura (22, Medien- und Kommunikationswissenschaften)

Was bedeutet es für dich, Europäerin zu sein?

Es ist schwierig, von einem Europäischen Gefühl zu sprechen, weil unser Territorium – im Gegensatz zu den USA zum Beispiel – nicht durch eine Sprache oder Kultur vereint ist. Dass wir auf kleinem Gebiet eine so hohe Diversität haben, ist meiner Meinung nach einer der Reichtümer Europas, was aber nicht unbedingt zu einer gemeinsamen Identität führt. Oder definieren wir uns genau durch diese Diversität?

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen dich im Moment?

Im Hinblick auf die Aktualität ist es schwierig, nicht auf das Thema der Immigranten aus Afrika zu kommen. Es muss dringend ein passender Solidaritäts- und Hilfsplan entwickelt werden. Andere Herausforderungen Europas sehe ich im Bereich Ökologie und nachhaltige Entwicklung, und im Schutz des Europäischen Marktes angesichts der USA, die gerne ihre Regeln bei uns einführen würden.

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Adrien (24, Produktionsleiter)

Was bedeutet es für dich, Europäer zu sein?

Europäisch sein, ist etwas, das uns jenseits unserer Nationalitäten vereint und uns Möglichkeiten wie Reisefreiheit, eine gemeinsame Währung, eine Flagge und die Zugehörigkeit zu Partnerländern gibt.

Welche Themen der europäischen Politik beschäftigen dich im Moment?

Für mich sind die wichtigen Themen in Europa momentan das Thema Immigration in den Mittelmeerregionen und die Syrischen Flüchtlinge, die Unternehmungen der EZB entgegen der Inflation des Euro, sowie der Zuwachs der Rechtsextremen, da sie in allen Ländern von Mal zu Mal stärker werden.

Wenn du die Möglichkeit hättest, die EU-Politik selbst mitzugestalten – was würdest du verändern oder verbessern wollen?

Ich würde die Partnerschaften zwischen den einzelnen Fakultäten stärken, um noch mehr Studierenden die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts in Europa mit finanziellen Hilfen zu ermöglichen und auch den Fremdsprachenunterricht stärken.