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„Europa lässt sich nicht auf einen Schlag herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine praktische Solidarität schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, dass der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland beendet wird. Das begonnene Werk muss in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.“

-      Robert Schuman, 9. Mai 1950

Die berühmte Schuman-Erklärung, mit der der französische Außenminister Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg zur gemeinsamen Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EKGS) aufrief, gilt heute zurecht als praktischer Ausgangspunkt der europäischen Integration. Denn obwohl dieses erste Projekt noch strikt wirtschaftspolitischer Natur war, legte es die Basis für die zunehmend umfassenden Integrationsschritte, die – zuletzt mit dem Vertrag von Lissabon (2009) – die Europäische Union schufen, in der wir heute leben.  

Aufgrund dieser wichtigen Symbolik ist der 9. Mai seit über 40 Jahren der Europatag, an dem alle Länder der Union die wichtigen Errungenschaften des Friedens, der Freiheit, des Wohlstands und der Freundschaft und feiern, die wir der engen europäischen Kooperation verdanken. Dieses Jahr – das immerhin das 60. Jubiläum des Inkrafttretens der Römischen Verträge und das 55. Jubiläum des Élysée-Vertrags ist – steht der Europatag im Zeichen eines ganz besonderen Projekts: dem Europäischen Kulturerbejahr.  

Das Europäsche Kulturerbejahr ist ein umfassendes Aktionsformat, bei dem über das Jahr hinweg durch die Förderung und Sichtbarmachung verschiedenster kultureller Projekte und Artefakte die kulturelle Komponente Europas hervorgehoben werden soll. Teil des Kulturerbejahres sind alle Formen der Kultur: materielle (wie z.B. Bauwerke), immaterielle (wie z.B. Musik) und digitale (wie z.B. Online-Bibliotheken). Entsprechend dem Motto „Sharing Heritage“ soll dabei die gemeinsame, grenzüberschreitende Auseinandersetzung aller BürgerInnen mit dem Kulturraum Europa im Zentrum stehen. Eine besonders wichtige Zielgruppe sind hierbei die jungen EuropäerInnen, denen der kulturelle Reichtum des Kontinents näher gebracht werden soll.  

Die Projekte des Kulturerbejahres sind über den ganzen Kontinent verstreut – von Portugal bis Rumänien, von Norwegen bis Zypern. Aufgrund ihrer Größe und ihres kulturellen Reichtums sind Deutschland und Frankreich jedoch besonders häufig vertreten. Ob es sich nun um Entdeckungstouren durch den historischen Stadtkern Nürnbergs, die Wiederentdeckung der industriellen Wurzeln Berlins, ein Fotowettbewerb für Jugendliche in Tours oder die Eröffnungsfeier einer neuen Musikplattform in Paris handelt – in diesem Jahr ist für Kulturinteressierte aller Art etwas dabei. Auch die deutsch-französischen Städtepartnerschaften sind mit von der Partie und organisieren gemeinsame Programme – so zum Beispiel Lyon mit Leipzig und Hamburg mit Marseille.

Die Einbeziehung der Kultur in das europäische Projekt ist ein wichtiger Schritt für die gemeinsame Identifikation der europäischen BürgerInnen. Angesichts wachsenden Euroskeptizismus scheint es höchste Zeit zu sein, diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn die „praktische Solidarität“, die Schuman 1950 als Resultat der gemeinsamen Wirtschaftspolitik beschrieb, sollte schon damals nur ein erster Ausgangspunkt für die europäische Einigung sein – nicht das Endziel. Es bleibt also zu hoffen, dass die Kultur über dieses Jahr hinaus eine  größere Rolle in der europäischen Politik einnimmt. 

 

Mehr Informationen über das Europäische Kulturerbejahr findet ihr unter: