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Was machst du aktuell in Deutschland?

Ich mache einen Deutsch-Französischen Freiwilligendienst und bin seit September 2018 bis Juni 2019, also insgesamt für 10 Monate, in Deutschland. Es ist das erste Mal, dass ich für eine längere Dauer ins Ausland gehe.

Wieso als Freiwillige nach Deutschland gehen?

Ich habe mich von klein auf für Deutschland und die deutsche Sprache interessiert und da ich dort glücklicherweise Verwandte habe, wusste ich die deutsche Kultur schon immer sehr zu schätzen.
Daher spielte ich auch immer wieder mit dem Gedanken, für einen kurzen oder längeren Aufenthalt nach Deutschland zu ziehen. Nach meinem Bachelorabschluss geriet ich ins Grübeln: Weiterstudieren? Arbeit suchen? Oder noch mal ins Ausland gehen und Erfahrungen sammeln?
Obwohl ich jahrelang Deutsch gelernt hatte, war mein Sprachniveau icht wirklich gut – kurz gefasst: Letztendlich gab es für mich viele Gründe, nach Deutschland zu gehen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich arbeite in einem Gymnasium als eine Art Sprachassistentin und ergänze den Unterricht mit Sprachanimationen und spielerischen Aktivitäten. Darüber hinaus unterhalte ich mich mit den Schülern über aktuelle Meldungen, verschiedene soziologische und kulturelle Themen und gebe ihnen einen Einblick in die französische Kultur. Nachmittags helfe ich den Schülern bei ihren Hausaufgaben, spiele mit ihnen oder wir sind künstlerisch kreativ. Zusammenfassend sind meine Aufgaben also recht vielfältig – generell variieren die Aufgaben eines Freiwilligen je nach Einsatzstelle, Vorlieben und Erwartungen der Schule. Folglich bekommt jeder Freiwillige die Möglichkeit, seinen Freiwilligendienst mitzugestalten.

Wie sieht es mit deinen Deutschkenntnissen aus?

Überraschenderweise bin ich diesbezüglich noch etwas zwiegespalten. In der Schule komme ich größtenteils während des Französischunterrichts zum Einsatz, und dort spreche ich…  Französisch.
Natürlich spreche ich außerhalb der Schule zwangsläufig Deutsch, sei es zum Einkaufen, um Administratives abzuklären, mit meinen Nachbarn, mit dem Hausmeister, mit anderen Lehrern oder auf Partys, bei denen wenig Leute Französisch sprechen. Viele sagen mir, dass ich mich recht gut auf Deutsch ausdrücke, jedoch denke ich, dass ich noch viel vor mir habe, bevor ich mich im Umgang mit der deutschen Sprache wohlfühle, die bei Weitem nicht einfach ist. Nichtsdestotrotz ist mir aufgefallen, dass ich enorme Fortschritte gemacht habe, da ich überhaupt keine Angst mehr habe, zu sprechen, trotz etwaiger Fehler.

Und wie lebt es sich in Deutschland?

Deutschland gefällt mir sehr, das Leben hier ist deutlich erschwinglicher als in Frankreich, da einige Produkte in Deutschland günstiger sind als in Frankreich (je nachdem was man kauft).
Im DM, Müller und TK Maxx einkaufen zu können, ist für mich das Paradies.
Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass die Mentalität anders ist. In der Stadt, in der ich wohne, wurde ich sehr herzlich aufgenommen und die Menschen haben sich mir gegenüber, trotz meiner Schwierigkeiten mit der Sprache, immer wohlwollend und empathisch verhalten. Das ist natürlich meine ganz persönliche Erfahrungund gilt nicht zwangsläufig für jeden.

Wie sieht es finanziell aus, kommst du gut zurecht?

Glücklicherweise ist mein Einsatz als Freiwillige bezahlt. Um transparent zu sein, und für diejenigen die eventuell daran interessiert sind, einen Freiwilligendienst zu machen:Pro Monat erhalte ich rund 500€. Da ich in Bayern wohne, erhalte ich ebenfalls eine finanzielle Unterstützung von 220€ pro Monat, die meine Kosten für die Wohnung nahezu komplett deckt. Deshalb reicht meine monatliche Aufwandsentschädigung locker aus, um mir Lebensmittel zu kaufen, zu reisen und noch andere Sachen davon zu kaufen. Jedoch möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich nichtsdestotrotz die ganzen Sommerferien gearbeitet habe, um „nur für den Fall“, ein finanzielles Polster zu haben.

Wie finde ich in Deutschland eine Unterkunft?

Wie in Frankreich gibt es auch in Deutschland verschiedene Arten von Unterkünften, die für Studierende gedacht sind. Aktuell lebe ich in einem privaten Studentenwohnheim. Hier teile ich mir nur die Küche mit den anderen Studenten auf meinem Stockwerk (wir sind ungefähr 10 Personen). Es gibt jedoch auch viele andere Studentenwohnheime, die vom Studierendenwerk geführt werden. Letztendlich wohnen viele Studenten in einer Wohngemeinschaft, da die Mietpreise, je nach Stadt und Region, sehr hoch sein können.

Gibt es negative Punkte oder Enttäuschungen?

Obwohl ich mit meinem Leben in Deutschland sehr zufrieden bin, gibt es natürlich Höhen und Tiefen.
Ich würde sagen, dass es anfangs und auch jetzt manchmal noch schwierig ist, Freunde in einem fremden Land zu finden, vor allem wenn man keine Studentin mehr ist und man teilweise Schwierigkeiten mit der Sprache hat. Es gab Momente, in denen ich mich sehr einsam gefühlt habe, was ziemlich hart war. Um dieser Einsamkeit entgegenzuwirken, habe ich angefangen, in Deutschland zu verreisen, um andere Städte zu sehen, und habe mich verschiedenen Aktivitäten gewidmet, die mir Spaß machen, wie zum Beispiel Malen und in Cafés zu gehen, um mich dort zu beschäftigen. Darüber hinaus bin ich einmal zu einem Sprachcafé gegangen und ansonsten habe ich neue Sportarten, wie zum Beispiel Yoga oder Joggen, ausprobiert.

Welche besonders großen Unterschiede sind dir im Vergleich zu Frankreich aufgefallen?

Da ich in Frankreich an der Grenze zur Schweiz und zu Deutschland lebe, ging ich davor davon aus, dass Deutschland sich wenig von Frankreich unterscheidet. Falsch gedacht, mein Leben in Deutschland hat mich eines Besseren gelehrt. Es gibt neben kulturellen und sozialen Unterschiede auch Unterschiede in der Gastronomie.
Hier eine kleine Auflistung der Unterschiede, die mich besonders geprägt haben:

  • Zur Begrüßung gibt man sich keine Küsschen (auf französisch Bise), man umarmt sich. (Anfangs sorgte dies auf Partys für einen peinlichen Moment, da ich meine Bise ins Leere gemacht habe)
  • Bier und Wein sind heilig (seid nicht überrascht, wenn ihr um 9 Uhr morgens eine Gruppe Seniorinnen trefft, die in den Öffentlichen Verkehrsmittelmit mit einem kleinen Wein anstoßen)

etc.

Wie bestelle ich im Restaurant stilles Wasser an Stelle von Sprudelwasser?

Sehr gute Frage! Eine der größten Schwierigkeiten für Franzosen, ist es, in Deutschland stilles Wasser zu finden. In Deutschland sind Getränke mit Kohlensäure sehr beliebt: Apfelschorle, Johannisbeerschorle… kurzgefasst, zu jedem Fruchtsaft findet ihr eine Schorle. Doch wo findet man in diesem Land, in dem Kohlensäure so beliebt ist, stilles Wasser? Zahlreiche Restaurants bieten stilles- oder Mineralwasser an. Aber Achtung, Wasser ist in deutschen Restaurants kostenpflichtig und es lohnt sich immer nachzuhaken, dass man stilles Wasser wünscht.

Sind die Deutschen sexy?

Ich kann unmöglich objektiv auf diese Frage antworten. Wagt den Schritt, kommt nach Deutschland und bildet euch eure eigene Meinung dazu.

Und wenn wir ebenfalls Freiwillige in Deutschland werden wollen?

Es gibt eine Vielfalt an Programmen, die es euch ermöglichen, einen Freiwilligendienst in Deutschland zu machen. Informiert euch am besten auf der Internetseite des DFJW und deren Homepage speziell für den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst. Ich selbst mache meinen Freiwilligendienst, über das DFJW, im Schulbereich.
In meinem Fall heißt das, dass ich in Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen arbeite. Den Freiwilligendienst gibt es jedoch auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel: im Hochschulbereich, in kulturellen Einrichtungen…

Um jedoch das Wichtigste zusammenzufassen: Anfang des Jahres bewerbt ihr euch und wenn alles klappt, werdet ihr zu einem Bewerbertag nach Paris eingeladen. Nach Bestehen dieser Phase wird euch ein Einsatzort zugeteilt (ihr habt es erfasst, wo genau es hingeht, könnt ihr euch nicht aussuchen)
Ansonsten gibt es auch noch die Möglichkeit in Verbänden, Vereinen und anderen Strukturen einen Freiwilligendienst zu machen. Die Bewerbung läuft dort anders ab und auch Beginn und Ende des Freiwilligendienstes variiert hier. Die Ausschreibungen für diese Freiwilligendienste findet ihr in den Kleinanzeigen des DFJW.

Mehr Infos zu Hélène‘s Leben in Deutschland findet ihr in ihrem Blog.