1. Sie nehmen an dem DFJW-Programm deutsch-französischer Grundschullehreraustausch teil. Was hat Sie dazu bewogen?

Es gab schon lebenslang diesen Traum mal für längere Zeit ins Ausland zu gehen, dort zu leben und zu arbeiten. Immer sprach irgendetwas dagegen. Nun war ein Zeitpunkt gekommen, nach vielen Jahren Berufserfahrung als Grundschullehrerin in Berlin, diesen Traum in die Realität umzusetzen.

Mein Mann und ich - wir sind ungebunden, haben keine Kinder und Enkel, wie viele in unserem Alter - waren jetzt einfach bereit für dieses Abenteuer.

 2. Was war Ihr bisher schönstes Erlebnis in diesem Rahmen?

Ich arbeite an einer Schule, wo es vorher nur wenig Deutsch-Unterricht gab. Am Anfang - ich konnte wenig Französisch, die Kinder kein Deutsch - war es für beide Seiten eine riesige Herausforderung! Mein schönstes Erlebnis: Wenn Kinder mir im Flur begegnen und wir einen kleinen deutschen Smalltalk hinlegen: „Na, wie geht’s?“, frage ich. „Ja, danke, heute besonders gut..., heute superkalifragilistischexpliallegorisch!“– ich liebe das. Unvergessen auch unser Auftritt zum Sommerfest: Original bayerischer Schuhplattler!

3. Was macht es besonders, Kindern im Grundschulalter die deutsche Sprache näherzubringen?

Da ist oft eine große Neugierde, eine kindliche Freude, mit der zu arbeiten ein Vergnügen ist. Es geht bei den Kindern noch nicht so sehr um Leistung, obwohl das schon spürbar wird, in den höheren Klassen. Andererseits ist es eine so grundlegende neue Erfahrung für einige Kinder, dass manche zu Anfang noch sehr schüchtern und zurückhaltend sind. Wenn das allmählich dahinschmilzt: Wunderbar.

Und alles hat in dieser Altersstufe Platz, um unsere Kultur zu vermitteln: Singen, Spielen, Tanzen, Malen, Basteln, Filmen, Kochen, Backen...

4. Warum ist es wichtig, Kinder schon im frühen Alter für die andere Sprache und Kultur zu sensibilisieren?

Es kann nicht früh genug beginnen, dass man begreift, dass die eigene Kultur nicht das Einzige ist, was zählt und was Spaß macht. Interesse und Freude am Fremden wecken, Freundschaften möglich machen, Perspektiv-Wechsel, Offenheit und Toleranz den Weg bahnen - diese Weichen gilt es zu stellen.

Angesichts der politischen Lage in Europa und der Welt ist dies eine besondere Verantwortung von Schule. Die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen zu stärken ist dafür ein wichtiger Beitrag - beispielgebend für alle anderen möglichen Freundschaften.

Das kann „Schule machen“ (im doppelten Sinne)!

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