Es herrscht wieder Krieg in Europa. Kinderzimmer und Krankenhäuser, Schulen und Marktplätze werden in der Ukraine von der russischen Armee zerstört. Junge Menschen verstecken sich in Bunkern, in Metro-Stationen oder sind auf der Flucht. Die Brutalität der Gewalt kennt keine Grenzen. Es scheint, als sollten die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg und die Grundprinzipien der Friedensordnung in Europa ausradiert werden.

Doch auch die Solidarität ist grenzenlos. Sorgen und Widerstand ebenso wie Hoffnung und Hilfe werden geteilt. Die Gewalt ruft eine Welle des Engagements hervor. Hunderttausende junge Menschen demonstrieren in Berlin, in Paris, in Europa und der Welt. Die Farben der Ukraine sind europäische Farben. Ihre Zukunft ist auf das Engste mit der Zukunft Europas verknüpft.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk wurde 1963 in der Hochphase des Kalten Krieges als Internationale Organisation gegründet. Seitdem tragen Jugendaustausche zur interkulturellen Verständigung und zum Frieden zwischen Deutschland und Frankreich, innerhalb von Europa und mit den Nachbarstaaten der Europäischen Union bei. Seit drei Generationen leben wir in Deutschland und Frankreich in Frieden.

Mit dem Angriff auf eine demokratische, souveräne und unabhängige Nation wurde auf vielfache Weise das Völkerrecht brachial gebrochen, darunter auch die 2015 einstimmig vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Resolution 2250 zu „Jugend, Frieden und Sicherheit“. Sie legt dar, wie verheerend es für junge Menschen ist, wenn der Zugang zu Bildung und wirtschaftlichen Chancen zerstört wird. Zugleich leisten junge Menschen einen „wichtigen und positiven Beitrag in den Bemühungen zum Erhalt und zur Verbreitung von Frieden und Sicherheit.“ Junge Menschen halten den Schlüssel für eine friedliche Zukunft in der Hand. Gemeinsam müssen wir es jeder neuen Generation in Deutschland, Frankreich und Europa ermöglichen, das einzigartige Geschenk des Friedens zu erfahren. Wir müssen sowohl die Begeisterung der Jugend Europas für das europäische Einigungsprojekt erhalten, und sie unterstützen und befähigen, unsere Demokratien mitzugestalten. Diese dramatischen Ereignisse stellen die Frage nach der Teilhabe und Partizipation junger Menschen erneut in den Mittelpunkt. Es ist unverzichtbar, dass jeder junge Mensch im Verlauf seiner Jugend Freunde in einem anderen europäischen Land finden kann.  Denn Jugendaustausche schaffen Frieden.

Mehr denn je sind jetzt Hilfe und Solidarität geboten: zwischen Städtepartnerschaften, zwischen Partnerschulen, zwischen Freunden, unter Mitmenschen. Geflüchtete junge Menschen sollen, soweit möglich, auch in Austauschprojekten willkommen geheißen werden. Ebenso gilt es, die Anrainerstaaten der Kriegsregion zu unterstützen und die zivilgesellschaftlichen Verbindungen zu stärken. Ebenso gilt es, russischstämmige Kinder und Jugendliche vor Diskriminierung zu schützen. In einer Zeit der Ungewissheiten ist eines sicher: Europa ist und bleibt ein Friedensversprechen.

Tobias Bütow und Anne Tallineau, Generalsekretäre des DFJW

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