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Charles Tesson, Vorsitzender des Auswahlkommitees, erklärt uns, warum es wichtig ist, dass auch die jüngere Generation dafür sensibilisiert werden, Bilder zu verstehen

Délégué général du comité de sélection, nous explique pourquoi il est primordial de former la jeune génération à l’appréhension des images.

1. Wie würden Sie die Semaine de la Critique definieren und was unterscheidet sie von anderen Nebensektionen der Filmfestspiele in Cannes wie der Quinzaine des Réalisateurs oder der Un Certain Regard

Die Semaine de la Critique widmet sich der Entdeckung junger Talente der Filmindustrie und deren ersten und zweiten Spielfilme. Diese Suche nach neuen Talenten findet jedes Jahr seinen Höhepunkt während der Filmfestspiele in Cannes, wenn wir unsere selektive Programmplanung von 10 Kurz- und 10 Spielfilmen vorstellen. Die Auswahlkommissionen, bestehend aus Filmkritikern und Mitgliedern der französischen Filmkritiker-Gewerkschaft, präsentieren die einzigartigen Universen junger aufstrebender Künstler. Was die Arbeit der Semaine de la Critique von der der anderen Sektionen in Cannes unterscheidet (Quinzaine des Réalisateurs und Un certain regard), ist ihre Mission, ihre Besonderheit: die Auswahl von Erstlings- und Zweitlings-Werken. Diese Regel ist unser Leitmotiv.

2. Warum ist Medienpädagogik heutzutage unverzichtbar?

Bilder spielen in unserer Gesellschaft eine immer bedeutendere Rolle. Wichtig ist, sie lesen, sie verstehen, und ihre Codes entschlüsseln zu können. Kino lädt dazu ein, die Welt anders zu sehen: anders als sie ist oder anders als man sie gerne hätte. Es ist wichtig, dass auch die jüngere Generation dafür sensibilisiert wird, diese Bilder zu verstehen: Wie und mit welchen Mitteln schafft es ein Film, uns anzusprechen, uns zu berühren, unsere Wahrnehmung der Welt und unsererselbst zu verändern? Dabei ist die Art des Bildes (Form, Stil, Ästhetik) schon allein ein Ausgangspunkt für sich, eine Aussage, ein Diskurs über die Welt. Zu lernen, Bilder zu entschlüsseln, sie zu analysieren, vorherzusehen, um zu verstehen, was sie uns sagen wollen. Aber auch zu lernen, sie zu lieben: einen eigenen Geschmack entwickeln, einen kritischen Blick werfen. Da sich Kommunikationsmittel und Gewohnheiten der Öffentlichkeit ständig weiterentwickeln, ist es wichtig, die Kritikfähigkeit von jungen Menschen, die tagtäglich mit diesen Bildern konfrontiert sind, voranzutreiben.

3. Das gemeinsame Projekt der Semaine de la Critique und des DFJW ermöglicht es jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf, zauberhafte Moment bei einem Festival zu erleben, das als elitär bekannt ist. Wie stehen Sie dazu?

Es ist wichtig, der neuen Generation zu vertrauen, ob sie nun sozial bevorzugt ist oder nicht. Intelligenz und kritisches Einfühlungsvermögen können unabhängig vom sozialen Umfeld eines Teenagers stimuliert werden. Jungen Menschen diese Chance zu bieten, die sie ohne unser gemeinsames Projekt vielleicht nie gehabt hätten, bedeutet uns viel. Es ist wichtig, bei zukünftigen Generationen Kritikbewusstsein zu fördern.

4. Was braucht es, um ein guter Filmkritiker zu sein?

Offenheit, Neugier, intellektuelle Großzügigkeit, solides Allgemeinwissen der Filmkultur und Kenntnis der Kinogeschichte. Außerdem sollte man offen sein, seine Erkenntnisse mit andern zu teilen, sich mit ihnen auszutauschen. Es bedarf Lust: Lust sowohl über Filme zu schreiben (was sie sind, was sie sein könnten, ihren Ist-Zustand, ihre Zukunft) als auch für diejenigen, die eine Vorliebe dafür haben, die selbst Filme sehen und Kritiken lesen. Dabei geht es nicht nur darum, seine Meinung mitzuteilen, sondern auch darum, zu sehen und zu verstehen, was jemand anderes gesehen hat. Filmkritiker zu sein, ist eine Sache (einen Film bewerten), Kinokritiker zu sein, eine andere. Denn es geht schlussendlich darum, den Film mit dem Kino in Zusammenhang zu setzen.