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An der Grenze zu leben hat viele Vorteile. Wenn man aber in Frankreich oder in Deutschland sehr weit weg vom anderen Land wohnt – wie ist das eigentlich?

Wenn ich in Franken erzähle, dass ich aus Frankreich komme, ist die Überraschung meist groß: „Aus Frankreich? Aber das ist ja soweit weg. Fehlt dir das Land nicht?“ Ich stammle dann: „Aber Paris ist doch nur 7 ½ Stunden von Bayreuth entfernt und häufig gibt es Spezialpreise für nur 39 Euro. Das kann man sich schon leisten.“ Meine Gesprächspartner sind überrascht, denn Paris kommt ihnen viel weiter weg vor – was sie dazu bringt, auch mal über einen Kurztrip nach Frankreich nachzudenken. Ich hingegen fühle mich wie ein Touristen-Guide, der sein Heimatland erklären muss.

Hier, in der ländlichen Gegend im Norden Bayerns sind Franzosen exotische Wesen. Spricht man hier von Grenzen, so sind eher die 50 Kilometer entfernt liegende Grenze mit der Tschechoslowakei oder die ehemalige deutsch-deutsche Grenze gemeint. Hier und in den anderen Regionen, die weit von Frankreich entfernt liegen ist die Arbeit der deutsch-französischen Vereine (wie die Deutsch-Französische Gesellschaft DFG), der französischen oder deutsch-französischen Häuser oder auch der Städtepartnerschaften umso wichtiger für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern. So weit entfernt von Frankreich oder von Deutschland kommt es einem nicht unbedingt gleich in den Sinn, das andere Land zu besuchen oder die andere Sprache zu lernen.

Für mich bedeutet das: Als ich hier angekommen bin, musste ich die Sprache sehr schnell lernen. Die Schüler sind meistens noch nie in Frankreich gewesen und sind oft sehr glücklich, eine französische Juniorbotschafterin zu treffen. Die Schulen haben große Schwierigkeiten, französische Austauschpartner zu finden und um bei meinem Fall zu bleiben: Selbst die Studenten, die in meinem Alter sind, sehen mich wie ein Alien. Und was meine französischen Freunde angeht, so finden sie das Argument, dass es doch „nur sieben Stunden Zugfahrt“ sind, um mich zu besuchen, nicht sehr überzeugend.               

Und trotzdem! Was würden auch sie, so weit weg von ihrer Heimat alles entdecken! Ich fahre nicht oft nach Hause, ich passe mich dem Leben hier an, höre französisches Radio über das Internet, lese deutsche Zeitungen, und ab und zu schaue ich am Wochenende bei einer Kirchweih vorbei. Dann kommt gleich danach die „Woche des polnischen Kinos“, dann ein lateinamerikanisches Weinfest... Wir sind in Europa, und selbst in einer traditionellen Kleinstadt, die etwas abseits liegt, kann man mit seinen Landsleuten Kontakt halten, sich gut den lokalen Begebenheiten anpassen und neue Kulturen entdecken.    

Text: Coline / Übersetzung ins Deutsche: Hanna