Ich bin Romni und komme aus Bulgarien. Derzeit absolviere ich das Abschlussjahr meines Hebammenstudiums an der Medizinischen Universität Varna. Gleichzeitig engagiere ich mich als Aktivistin und arbeite als Freiwillige mit anderen jungen Roma in einem Mentor*innen-Programm. Als Koordinatorin des Sozialunternehmens „The Social Teahouse“ unterstütze ich zudem Kinder und Jugendliche ohne elterliche Fürsorge. Was mir daran am meisten gefällt, ist der Kontakt und Austausch mit ihnen.

Roma sind die größte Minderheit in Europa, aber auch die am stärksten diskriminierte ethnische Gruppe. Sie leben meist in abgelegenen Gebieten, wo der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung schwierig ist. Aus diesem Grund brauchen wir mehr gemeinsames Handeln und politische Entscheidungen, die ihre Lebensbedingungen verbessern. Leider sind Hassreden von großen politischen Parteien keine Ausnahme. Das ist für mich absolut inakzeptabel. Die gegenwärtige Situation verstärkt diese Diskriminierung und die Ablehnung gegenüber den Angehörigen von Roma-Minderheiten. Ich wünsche mir so sehr, dass wir eines Tages bessere Chancen auf ein normales Leben haben.

Europa bedeutet für mich Union, Stärke und Vielfalt. Ich fühle mich sehr geehrt, die Auszeichnung als „Junge Europäerin des Jahres“ zu erhalten. Sie zeigt, dass unsere Arbeit, meine und die der Roma-Jugend, anerkannt wird. Der Einsatz für unsere Gemeinschaft und all unsere Anstrengungen, um die Situation der Roma zu verbessern, erhalten damit Aufmerksamkeit. Wir werden endlich gehört! Ich freue mich deshalb sehr, dass ich für unsere Sache werben und meine Meinung auf dieser Bühne vertreten darf. Denn die Mitglieder der Roma-Gemeinschaft sind ebenfalls Europäer*innen, und die Roma-Jugend gehört zur Generation Europa. Wir haben das Recht, als europäische Bürger*innen anerkannt zu werden und die gleichen Chancen auf ein Studium, eine persönliche Entwicklung und auf Arbeit zu haben.

Doch damit sich das ändert, müssen mehr Menschen aktiv werden. Sie müssen aufstehen und sich für unsere Sache einsetzen. Nur gemeinsam können wir die Lebensbedingungen aller Gemeinschaften verbessern, die sich diesen Herausforderungen im täglichen Leben stellen müssen. All das gibt mir die Motivation, mich zu engagieren und mich an verschiedenen Projekten zu beteiligen. Ich will meinen Beitrag für ein besseres Europa leisten. Als junge Europäerin möchte ich eine politische Botschaft senden und die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Probleme der Roma-Gemeinschaft lenken.

Für die Zukunft wünsche ich mir eine engere Kommunikation zwischen den Institutionen und den europäischen Bürger*innen. Ich hoffe, dass wir eine geeinte und solidarischere Gesellschaft aufbauen können, um gemeinsam voranzukommen. Aus diesem Grund müssen junge Roma ebenfalls am europäischen Entscheidungsprozess beteiligt werden und in der Europäischen Union vertreten sein.