Achtung: diese Seite wurde seit mehr als 6 Monaten nicht mehr aktualisiert. Die Informationen sind nicht mehr aktuell.

Dieser Standpunkt ist am 13. Mai 2015 in der französischen Zeitung „Le Plus“ unter dem Titel „Réforme du collège : apprendre l'allemand, c'est toujours important, pour 3 raisons“ erschienen.


Seit Anfang März sorgt die geplante Schulreform für hitzige Diskussionen – und die Wogen sind noch immer nicht geglättet. Zu den Streitpunkten gehört unter anderem die Frage nach dem Deutschunterricht. Nicht die Sprache selbst steht auf der Kippe, sondern die bilingualen Klassen, in denen man ab der 6. Klasse zwei Sprachen lernen kann. Für Béatrice Angrand und Markus Ingenlath, Generalsekretäre des DFJW, ist es unentbehrlich, Deutsch zu lernen.

Nach der wochenlangen Diskussion um die Schulreform verhärten sich die Fronten: Manche finden, Deutsch sei eine elitäre Sprache, für andere wiederum  senkt die Gleichmacherei das Niveau.

Als Generalsekretäre des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) möchten wir über die Klischees hinausschauen und schlicht und einfach auf die Gründe hinweisen, warum es wichtig ist, Deutsch zu lernen.

1 . Deutsch lernen, um sich für die Zukunft abzusichern

Deutschland ist Frankreichs wichtigster Handelspartner. 2014 belief sich der deutsch-französische Handel auf 169,4 Milliarden Euro und deutsche Unternehmen schufen 3.087 Arbeitsplätze in Frankreich. Gleichzeitig blieben schätzungsweise 2.000 Stellen in verschiedensten Branchen unbesetzt, weil die Bewerber nicht über ausreichend gute Deutschkenntnisse verfügten.

Und das, obwohl die Arbeitslosenquote, vor allem unter Jugendlichen, in Frankreich besorgniserregend hoch ist. Ist das nicht paradox?

Wir können jede Wette eingehen, dass die soziale Nachfrage – häufig Hauptargument für die Vorherrschaft des Englischen in der Schule – sich verändern wird. Alle Eltern wollen natürlich, dass ihr Kind nach dem Abschluss seiner Ausbildung eine Stelle findet. Zu wissen, dass in Deutschland pro Jahr schätzungsweise 200.000 Arbeitskräfte fehlen und dass diese Tendenz sich bis 2020 noch verstärken wird, könnte sich auf diese Nachfrage auswirken.

2. Deutsch lernen, um seine Kultur zu bestärken und die Welt kennenzulernen

Als wichtigste gesprochene Sprache Europas bietet Deutsch Zugang zu einer Art, zu denken und die Welt zu sehen. Wenn wir es schaffen, dass diese kulturellen Bezüge gegenseitig Früchte tragen, sind wir für die  Komplexität der Welt bestens gerüstet. Um das Fundament Europas zu stärken, brauchen wir Bürger, die diese beiden Horizonte vereinen können.

Im Übrigen ist es leicht, zu behaupten, Deutsch wäre eine schwierige Sprache, die niemanden mehr interessiert. Es reicht, festzustellen, wie sehr dies- und jenseits des Rheins gegen die Abschaffung der bilingualen Klassen mobil gemacht wird, um zu verstehen, wie sehr unsere Gesellschaften an der deutsch-französischen Beziehung hängen.

Die Schulaustauschprogramme, die dank des unermüdlichen Engagements der Lehrer ins Leben gerufen werden, tragen dazu bei, dass Sprachen zugänglicher gemacht werden. Des Weiteren ist es für die Schüler extrem motivierend, sich auf Französisch mit neugewonnenen Freunden unterhalten zu können.

3. Deutsch lernen, um Europa zu gestalten

Was wird aus Europa werden, wenn Deutsche und Franzosen sich nicht mehr verständigen können? Der Aufbau Europas konnte und wird auch in Zukunft nur funktionieren, wenn die deutsch-französischen Beziehungen stark sind. Aber damit diese Beziehungen stark sind, muss man sich verständigen können. Das heißt, dass auch die Mittel zum Kennenlernen und Verstehen zur Verfügung gestellt werden müssen. Und dies geschieht zwangsläufig durch Spracherwerb.

Deutschlernen ist letzten Endes ein Trumpf für die Zukunft, ein Vorteil auf dem Arbeitsmarkt und ein Garant für das Europa.