1. Wann und wie hast du deine Leidenschaft für Kino entdeckt?

In der Oberstufe, als ich Theater als Wahlfach hatte. R.W.Fassbinder stand mit seinem Stück « Katzelmacher » auf dem Programm und das war natürlich auch die Gelegenheit, seine Filme zu entdecken… zumindest einige! Der Film « Angst essen Seele auf » war für mich eine große Entdeckung. Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen, aber die aktuelle Retrospektive in der französischen Kinemathek ist eine schöne Gelegenheit!

2. Wie kann man sie vermitteln? Wie kann man für die Filmkunst sensibilisieren?

Die Frage nach der Vermittlung kam erst viel später. Viele träumen von der Filmbranche. Wenn man jung ist, stellt man sich öfter eine Karriere vor oder hinter der Kamera vor. Meine Jahre an der Uni haben es mir ermöglicht, andere Berufe und Möglichkeiten zu entdecken… Und erst viel später, ich glaube, als ich Mama wurde, habe ich wirklich angefangen, über diese Vermittlungsfragen nachzudenken. Ich habe mich dem Thema auf ganz natürliche Weise genähert, in dem ich für Jugendliche Filmworkshops, für Lehrer oder auch Bibliothekare Ausbildungen geleitet habe… Ganz gleich an welches Publikum ich mich wende und welches „Thema“ es zu vermitteln gilt, der Tenor bleibt derselbe: Man muss vor allem Empathie zeigen können, um die Erwartungen und Kompetenzen von jedem zu verstehen. Dann kann man auch auf kohärente und einfühlsame Weise mit anderen kommunizieren. Die Tatsache, dass das Kino mein Beruf ist, hat letztendlich wenig Bedeutung.

  1. 3. Welche ist deine Rolle im Rahmen des deutsch-französischen Workshops?
  2. Ich werde vom Team der Semaine de la Critique engagiert und kümmere mich um die Zusammenarbeit zwischen dem Team des Festivals und dem DFJW, sowie den Teilnehmern am Workshop. Ich bin die Ansprechpartnerin der Schüler und deren Lehrern, die ich im Laufe der Tage von einem Ort zum anderen begleite, (Hotel, Kinos, Treffpunkte) und rufe sie zur Ordnung, wenn sie die Uhrzeiten nicht respektieren. Denn unser Programm ähnelt einem wahren Marathon! Aber vor allem koordiniere und begleite ich die verschiedenen Etappen des Workshops mithilfe von Thekla, der Sprachanimatorin (und fantastischen Übersetzerin!).

     4.  Was kann Bild- und Medienerziehung bei Jugendlichen bewirken?

Ich glaube, es ist inzwischen ein Klischee, aber vor allem Realität: Bildschirme sind für Jugendliche heutzutage omnipräsent. Und dabei rede ich nicht nur vom Kino! Glücklicherweise gehört ein Kinogang zu ihren gängigen Hobbies, aber es muss auch hinterfragt werden, welche Filme sich Jugendliche ansehen. Was bei der Filmkritik-Woche besonders toll ist, ist die Möglichkeit, ihnen Filme zu zeigen, die sie sonst nirgendwo sehen würden, da sie aus Ländern kommen, die nicht für ihre Kinokultur der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, und Berichte zeigen, die oft neue Wege des filmischen Erzählens gehen. Über diese Erfahrung hinaus, die manchmal ein richtiger ästhetischer Schock sein kann, ist es unsere Rolle, Jugendliche dazu zu bringen, Filme anders zu sehen, sich nicht nur Fragen über die Produktion zu stellen, sondern auch über die Rolle des Regisseurs. Diese Sensibilisierung für Kino kann Jugendliche dazu bringen, sich Gedanken über die Bilder zu machen, die sie umgeben.

  1. 5. Siehst du eine unterschiedliche filmkritische Herangehensweise zwischen jungen Deutschen und jungen Franzosen?

Nein, überhaupt keine! Jeder Jugendliche kommt mit seiner Kultur und seiner Liebe zum Kino… sowie seinen Hemmungen! Ich habe allerdings festgestellt, dass es unseren deutschen Schülern leichter fällt, sich auszudrücken, auszutauschen und zu argumentieren. Mir scheint, dass ihr Bildungssystem die mündliche Teilnahme weit mehr als in französischen Schulen fördert.