Pia:

„Machst gut Traum, Pia!“: Diesen Satz hörte ich fast zwei Jahre jeden Abend vor dem Einschlafen.
Mein Freund, der zu Beginn unserer Beziehung genau so wenig Deutsch konnte wie ich Französisch, war sehr lange davon überzeugt, dass sich „fais de beaux rêves“ Wort für Wort ins Deutsche übersetzen lässt. Und weil ich seinen Akzent dabei so schön fand und mich jedes Mal ein bisschen mehr über den Fehler freute, korrigierte ich ihn nicht. Bis seine Tante, die fließend Deutsch spricht, ihn eines Abends fragte, ob seine Freundin wirklich Deutsche sei, wenn sie diese Formulierung nicht berichtigt. Daraufhin kam mein Freund tieferschüttert zu mir und verlor wohl eine Art Urvertrauen in mich – oder in meine Fähigkeiten als Deutschlehrerin.
Nach mehr als fünf Jahren (Fern-) Beziehung kamen solche und ähnliche Situationen öfter vor, als ich zählen kann. Das Besondere an unserer Beziehung liegt darin, sich gegenseitig vorzumachen, welchen Akzent ich (angeblich!) im Französischen und er (auf jeden Fall!) im Deutschen hat. 
Aber einen Fehler macht mein Freund nicht mehr. Seit drei Jahren wünscht er mir – zu meinem persönlichen Leidwesen – jede Nacht ernüchternd in akzentfreiem Deutsch „Träum süß, Pia!“. 

Philipp:

Célia hat dem fünfjährigen Französisch-Unterricht meiner Schulzeit unerwarteten Sinn eingehaucht. Unsere deutsch-französische Beziehung beeinflusst aber auch viele andere Bereiche meines Lebens –oft zum Besseren. So hat sich mein Serienkonsum insofern verändert, dass es nun eine strikte Arte-/Netflix-Quote gibt, die darüber bestimmt, welches Onlinemedium zur Abendunterhaltung herangezogen wird. Zwischen zwei Staffeln einer Serie muss eine kulturell hochwertige Arte-Produktion platziert sein. Außerdem verfügt meine Küche neben einer Spätzlespresse nun selbstredend über eine Crêpe-Pfanne. Dem Vorurteil, dass Deutsche dem FKK-Urlaub sehr zugeneigt seien, entspreche ich überhaupt nicht. Hingegen scheint Célias Familie noch nie in Klamotten Urlaub gemacht zu haben …

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