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Das letzte Mal, dass ich Eva gesehen habe, war vor acht Jahren. Jetzt stehe ich in der Fußgängerzone in Caen und suche nach ihrem Gesicht in der Menschenmenge. Es ist ihr 28. Geburtstag, ich bin die Überraschung.

Eva ist meine Gastschwester. Vor zehn Jahren war ich mit dem Voltaire-Programm in ihrer Familie. Sechs Monate lang saß ich Morgens mit ihr und meinen Austauschschüler David am Küchentisch, wir sind zusammen zur Schule gefahren, haben zusammen gefeiert. Damals, als 17-Jährige, habe ich noch nicht geahnt, wie sehr mich diese Zeit in Caen prägen wird. Das Austauchprogramm war nur der Startschuss für viele weitere Frankreichaufenthalte. Ich bin zum Studieren zweimal zurückgekehrt, später zum Arbeiten. Auch meine Urlaube verbringe ich am liebsten an Frankreichs Stränden.

Die Zeit in der französischen Schule und in der französischen Familie hat mir viele Schlüssel in die Hand gegeben, um mich später gut in Frankreich zurechtzufinden. Meine Gastmutter hat mir erklärt, wie das französische Schulsystem läuft. Ich habe mich an nicht enden wollende Schultage gewöhnt und gelernt, seitenlange Dissertationen zu schreiben. Aber vor allem habe ich das Gefühl bekommen, Franzosen besser verstehen zu können. Einfach durch die gemeinsame Erfahrung, auf der Schulbank mit Einigen gesessen zu haben.

Mein Französisch war am Anfang des Austausches solide, aber noch voller Fehler. Wie oft hat mich mein Austauschpartner David korrigiert, dass es nicht „je besoin“, sondern „j’ai besoin“ heißt?! Mein rotes Vokabelheft, dass ich mir am Anfang gekauft hatte war bald voller neuer Worte. Alltagsvokabeln wie Fensterbrett, Tischdecke oder Kupplung. Heute kann ich in eine Apotheke gehen und ohne Wörterbuch erklären, dass mein Zahnfleisch entzündet ist und ich dagegen eine Salbe brauche. Ich war wie ein Schwamm, der jedes neue Wort aufgesogen hat. Wörter durch Benutzen zu lernen finde ich die beste Art, eine Sprache zu lernen.

Nachdem ich Eva zusammen mit ihren Freunden in der Stadt abgeholt habe, fahren wir zu ihrer Freundin Céline. Sie hat ein Geburtstags-Essen vorbereitet. Es ist die gleiche Gruppe von Mädels, mit denen ich vor zehn Jahren gefeiert habe. Früher trugen sie Zahnspangen, jetzt sitzen sie mit ihren Ehemännern und langjährigen Freunden am Tisch. Zwei haben Kinder, die um den Tisch herumwuseln. Wir schauen uns Fotos von der Austauschzeit an. Sicher ist, dass es bis zum nächsten Treffen bestimmt nicht acht Jahre dauern wird.

von den DFJW-Juniorbotschafter Kommunikation verfasst