1. Sie wurden kürzlich zur Generalsekretärin des DFJW ernannt und stellen in einem deutsch-französischen Tandem die Spitze unserer Organisation. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Ich freue mich wirklich sehr, seit Jahresbeginn Teil des DFJW-Teams zu sein und mit dem deutschen Generalsekretär Tobias Bütow zu arbeiten. Ich werde mich dafür stark machen, mit dem DFJW die Ziele des Aachener Vertrages umzusetzen. In der Praxis heißt das: mit unseren Programmen noch mehr junge Menschen erreichen und die Vielfalt der Teilnehmenden zu fördern.

Um diese Ziele zu erreichen, ist es natürlich notwendig, die Anliegen der jungen Menschen ernst zu nehmen. Die junge Generation in Deutschland, Frankreich und Europa fordert mehr Einsatz für nachhaltige Entwicklung. Die europäische Gemeinschaft ist unser großes gemeinsames Abenteuer; junge Menschen werden unsere Zukunft gestalten. Wir müssen mit dem Ausbau interkultureller Austausche also auch dazu beitragen, europäisches Zugehörigkeitsgefühl bei Kindern und Jugendlichen zu stärken.

2. Welche Herausforderungen sehen Sie im deutsch-französischen und europäischen Kontext heute und in den nächsten Jahren?

Allerorts sehen sich Europa und unsere Demokratien mit dem Anstieg von Populismus konfrontiert. Die Mobilität junger Menschen ist daher heute sinnvoller und notwendiger als je zuvor. Sie macht für junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und anderen teilnehmenden Ländern an unseren Programmen den Reichtum von kulturellem Austausch erfahrbar. Gleichzeitig können sie wertvolle Kontakte für die Zukunft knüpfen. Auch die wirtschaftliche Seite und den Einstieg ins Berufsleben dürfen wir nicht vergessen. Wenn junge Menschen ein Bewusstsein für die Vorzüge von Mobilitätserfahrungen entwickeln, kann eine europäische Identität entstehen.

3. Inwiefern hat die deutsch-französische Freundschaft Ihren Werdegang beeinflusst? Was bedeutet Ihnen diese Freundschaft?

Sie hat mein Leben nachhaltig beeinflusst, nicht zuletzt, weil meine beiden Kinder deutsch-französisch sind. Ich habe 16 Jahre lang sehr gern in Deutschland gelebt und gearbeitet, vor allem in Berlin, aber auch in München. Das Auswandern nach Deutschland war für mich ein großes Abenteuer. Wenn man in eine andere Kultur und Sprache eintaucht, wird man zu einer anderen Person. Man entdeckt verschiedene Seiten an sich! Das ist auch ein Grund, warum ich mich freue, heute wieder viel mit Deutschland zu tun zu haben, Kollegen und deutsche Freunde zu treffen.

4. Sie sind begeisterte Kulturliebhaberin, Kulturvermittlung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Laufbahn. Sind Sie der Meinung, dass wir eine gemeinsame europäische Kultur teilen?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir eine europäische Kultur teilen, die insbesondere auf unserer langen gemeinsamen Geschichte beruht. Es reicht aus, Europa zu verlassen, um sich unserer gemeinsamen Bezugspunkte bewusst zu werden und sie zu schätzen. Von den ältesten Kulturformen wie z. B. der Oper bis zu den neuesten Formen wie Straßenkunst oder Comics. Die europäische Kultur ist humanistisch. Es ist sehr wichtig, sich dessen bewusst zu werden, denn Kultur prägt unsere Vorstellungswelt. Und die müssen wir bewahren, denn sie macht uns zu denen, die wir sind.