Kennt ihr FranceMobil? Nein? Dann lasst es mich kurz erklären.

Mein Name ist Océane, ich bin 25 Jahre alt. Mit meinen elf Kolleg*innen von FranceMobil besuchen wir Kinder und Jugendliche an deutschen Schulen. Unser Ziel? Wir wollen, dass Schüler*innen Spaß am Französischlernen haben. Gleichzeitig wollen wir ihnen die Vielfalt der französischen Sprache und Kultur auf spielerische Art und Weise vermitteln.

Wir Lektor*innen sind für verschiedene Bundesländer verantwortlich und besuchen die Schulen meist auf Anfrage der Lehrkräfte. FranceMobil selbst ist ein Programm des DFJW in Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft in Deutschland. Unsere Kolleg*innen aus Deutschland sind als mobiklasse.de-Lektor*innen in Frankreich unterwegs. Es gibt auch ein ähnliches Programm auf La Réunion, das sich „Deutschauto“ nennt.

Deutsch war zwar meine zweite Fremdsprache in der Mittel- und Oberstufe, aber im Studium habe ich mich auf Diplomatie und Ostasien spezialisiert. Am Ende des Masters habe ich beschlossen, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Ich hatte zuvor zwar noch nie in Deutschland gelebt, kannte die deutsche Sprache aber bereits aus dem Schulunterricht. Also nahm ich am Deutsch-Französischen Freiwilligendienst Kultur (DFFD Kultur) teil. Das Programm wird vom Haus Rheinland-Pfalz in Dijon und dem Kulturbüro Rheinland-Pfalz organisiert; der DFFD Kultur ist Teil des Deutsch-Französischen Freiwilligendienstes des DFJW.

Während meiner Zeit in einem kleinen Kulturzentrum im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns habe ich das Programm FranceMobil entdeckt und mich gleich beworben. Ich interessiere mich sehr für Kulturdiplomatie und die deutsch-französische Zusammenarbeit. Deshalb freue ich mich umso mehr, nun als FranceMobil-Lektorin zu arbeiten. Ich bin im Schuljahr 2019-2020 am Institut Français in Leipzig tätig und verantwortlich für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Man könnte meinen, dass es schwierig sei, Schüler*innen aus Bundesländern, die auf der Landkarte weit entfernt von Frankreich liegen, für Französisch zu begeistern. Ich habe bisher aber meist positive Erfahrungen gemacht. Nach einem Schulbesuch in Jena habe ich z. B. einen Umschlag mit supernetten Rückmeldungen von den Schüler*innen erhalten. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut.

Mich motiviert es sehr, jeden Morgen aufzustehen und zu wissen, dass man von engagierten Lehrkräften begeistert empfangen wird. Einige nutzen die FranceMobil-Animationen als Werbeinstrument für Klassen, in denen Schüler*innen ihre Zweit- oder Drittsprache (ab)wählen können. Andere wiederum finden unsere Methoden toll und wenden sie später im Unterricht an.

Musikspiele, Memorys, Tanz, Pantomime - all das sind Mittel, um Schüler*innen im Unterricht zu motivieren. Das funktioniert auch bei denjenigen, die anfangs zurückhaltend sind. Jede Klasse ist anders. Und selbst wenn ich eine Animation im Voraus plane, muss ich oft improvisieren. Nicht alle lernen gleich schnell und interessieren sich für die gleichen Dinge. Manche finden kleine Wettbewerbe toll, andere fühlen sich von Wörtern, die im Deutschen und Französischen ähnlich sind, angesprochen. Das macht die Arbeit als FranceMobil-Lektor*in spannend, ganz zu schweigen von der Vielfalt unseres Publikums! Wir sind nicht nur in Gymnasien, sondern auch in Kitas, Haupt-, Real- und Berufsschulen unterwegs. Und wir sind auch bei Veranstaltungen wie der Leipziger Buchmesse vor Ort.

Ist es eine Herausforderung, FranceMobil-Lektorin in Ostdeutschland zu sein? Also schwieriger als anderswo ist es auf gar keinen Fall. Oft bin ich die erste Französin, die die Kinder und Jugendlichen treffen. Das führt zu interessanten Diskussionen über Gemeinsamkeiten, Vorurteile, Unterschiede und Vorstellungen über das Nachbarland. Mit älteren Schüler*innen spreche ich manchmal über den Élysée-Vertrag und die Gründung des DFJW. Viele lernen dank FranceMobil das Brigitte-Sauzay - oder Voltaire-Programm kennen, mit dem sie drei oder sechs Monate bei einer französischen Gastfamilie leben können.

Ich kann nicht sagen, ob einige Schüler*innen in den kommenden Jahren an einem Austausch teilnehmen werden. Aber ich hoffe, dass ich zumindest ein paar von ihnen Lust auf interkulturelle Begegnungen machen kann! - oder

Océane Gobin