Bei der diesjährigen Ausgabe der Maghreb-Konferenz, die vom 1. bis 4. Dezember in Hamburg stattfand, war das Hauptthema die politisch und religiös motivierte Radikalisierung junger Menschen. Warum ist hier der Austausch zwischen Strukturen und Vereinen der Jugendarbeit wichtig und notwendig?

In unseren Gesellschaften können wir seit einigen Jahren eine große Unzufriedenheit von jungen Menschen im Bereich der Teilhabe an politischen und ökonomischen Prozessen feststellen. Wenige Personen reagieren - unterschiedlich historisch und kulturell geprägt – mit extremen Einstellungs- und Verhaltensmustern, mit denen sie sich radikal und teilweise gewalttätig gegen andere Menschen wenden.

Die Akteure der deutsch-französischen und trilateralen Begegnungen vermitteln in ihrer Arbeit auch Themen wie Respekt vor dem Anderen und grenzüberschreitende Solidarität. Austausch findet auch zur Aufarbeitung von Vergangenheit und zu einer gemeinsamen Perspektive zwischen Europa und den Ländern des südlichen Mittelmeerraums statt. Da wir junge Menschen in den Diskurs einbeziehen, können wir ihre Bedürfnisse verstehen und gemeinsame Konzepte gegen Radikalisierung erarbeiten.

Warum ist die Stärkung eines euromediterranen Bewusstseins unabdingbar?

Was auf der Ebene der Regierungen aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen oft nicht funktioniert, schafft das Engagement der Zivilgesellschaft: Von einer starken Zusammenarbeit und einer Schaffung eines euromediterranen Bewusstseins profitieren alle Bewohner_innen Europas und des Mittelmeerraums. Ziel muss es sein, einander zu verstehen. Die Herausforderungen in unseren Gesellschaften können wir nur gemeinsam und solidarisch angehen.

Inwiefern tragen die vom DFJW geförderten trilateralen Jugendbegegnungen dazu bei?

Bei einer Jugendbegegnung teilen die jungen Menschen ein gemeinsames Erlebnis. Mit der fachlichen Anleitung und den sensiblen Methoden der Austauschpädagogik können sich die Teilnehmenden besser kennenlernen: Kulturen, Sprachen, Religionen, Geschichte und Geschichtsinterpretationen, Erfahrungen, ökonomische, ökologische und soziale Realitäten werden erfahrbar und thematisiert. Oft arbeiten wir zu Themen der politischen Bildung. Trotz der leider sehr starken strukturellen Ungerechtigkeit zwischen Nord und Süd (Zugang zu Ressourcen, Visaproblematik, Mitbestimmungsmöglichkeiten) trägt jede direkte Begegnungssituation dazu bei, Vorurteile zu bearbeiten und ein echtes nachhaltiges Miteinander zu schaffen.

Sebastian Maass ist Geschäftsführer des „interkulturellen netzwerks e. V.“ und pädagogischer Mitarbeiter des DFJW. Er hat Politikwissenschaften studiert und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der interkulturellen Bildungsarbeit mit Schwerpunkt in den Bereichen der Aus- und Fortbildung von Verantwortlichen im Bildungsbereich und der politischen Bildung.

Das interkulturelle netzwerk seit vielen Jahren grenzüberschreitende Austauschbegegnungen mit Partnerstrukturen aus dem Maghreb durch. In diesem Jahr fanden trilaterale Begegnungen mit Marokko und Tunesien statt.

Bei der Tagung in Hamburg leitete Sebastian Maass einen Workshop zur sprachlichen Gestaltung einer trilateralen Begegnung und zur Sprachanimation an.