Seit seiner Gründung fördert und setzt das DFJW Projekte zu Geschichte, Erinnerungsarbeit und Friedenspädagogik um. In diesem Rahmen fanden bereits zahlreiche Jugendbegegnungen statt – zunächst zwischen Deutschland und Frankreich und seit den 1970er Jahren auch mit anderen Regionen Europas, wie dem Balkan, der seit 2000 zu den Schwerpunktregionen des DFJW zählt.

Im Jahr 2023 startete das DFJW in Zusammenarbeit mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) das Pilotprojekt „Kriege in Europa. Geteilte Erfahrung, gemeinsame Erinnerung? – Deutschland, Frankreich, Bosnien und Herzegowina“. Bei einem ersten trilateralen Austausch von Multiplikator:innen der formalen und non-formalen Bildung in Lyon wurden pädagogische Methoden entwickelt, die dann bei einer Begegnung an mehreren Orten mit jungen Teilnehmenden zwischen 18 und 24 Jahren getestet wurden. Bereits im Oktober 2023 fand eine Reise durch Europa von Paris nach Sarajevo, über München, Wien und Berlin statt.

Mit dem neuen Projekt „Young Voices for a Shared Remembrance - From memory to action“ vertieft das DFJW nun seine Partnerschaft mit der Stiftung EVZ und dem Regional Youth Cooperation Office of the Western Balkans (RYCO). Dabei handelt es sich um eine Reihe von trilateralen Begegnungen für junge Menschen von 18 bis 30 Jahren aus Deutschland, Frankreich und Bosnien und Herzegowina. Vorgesehen sind Austausche im Präsenz- und Online-Format. Das Projekt läuft über drei Jahre. Jedes Jahr gibt es eine neue Gruppe von 30 Teilnehmenden. Alle Gruppen werden von einem pädagogischen Team betreut, das sich aus Vertreter:innen verschiedener Partnerorganisationen zusammensetzt.

In einem europäischen Kontext, der zunehmend von polarisierten Diskursen, wachsendem Populismus sowie der Infragestellung historischer Fakten und demokratischer Werte geprägt ist, verfolgt dieses Projekt das Ziel, den Weg für eine neue Generation von Botschafter:innen für Erinnerungskultur und Demokratie zu ebnen, die sich über Grenzen hinweg engagiert und vernetzt.

Die Projektthemen lauten:

  • Der Erste und Zweite Weltkrieg und die deutsch-französische Aussöhnung
  • Die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und ihre Auswirkungen auf die Region
  • Die Kolonialisierung und Dekolonisierung und ihre Auswirkungen auf unsere heutigen Gesellschaften

Verschiedene historische Erzählungen werden mithilfe von non-formalen Bildungsmethoden wie Biografie-Arbeit und kreativen Workshops zueinander in Beziehung gestellt. So soll das Projekt eine gemeinsame und integrative Erinnerungskultur über die Kriege des 20. Jahrhunderts in Europa fördern.

Das Projekt befasst sich auch mit aktuellen Herausforderungen wie Geschichtsrevisionismus und der Manipulation von Online-Informationen. Es verfolgt einen kritischen Ansatz und stärkt das Geschichtsbewusstsein der Teilnehmenden, insbesondere durch Besuche von Gedenkstätten und Vorträge von Expert:innen (Historiker:innen, Journalist:innen, Blogger:innen). So können junge Menschen bei diesem Projekt die notwendigen Kompetenzen entwickeln, um die genannten aktuellen Phänomene zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken.

Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden fundierte Kenntnisse und praxisnahe Fähigkeiten in den Bereichen Medienkompetenz und Projektentwicklung. Durch eine kontinuierliche Begleitung werden sie befähigt, eigene Initiativen wie lokale Mikroprojekte zu planen, umzusetzen und damit aktiv zum Wandel beizutragen.

Die Arbeitssprache ist Englisch. Sprachförderung und mehrsprachige Animation sind vorgesehen, um alle am Projekt teilhaben zu lassen. 

Programm 2026

Dezember 2025 – Januar 2026: Ausschreibung

März 2026: Vorbereitende Online-Treffen

April 2026: Erstes Treffen in Frankreich (Straßburg)

Mai – Juni 2026: Workshops und Online-Treffen

September 2026: Zweites Treffen in Bosnien und Herzegowina

Juli – Oktober 2026: Umsetzung von Mikroprojekten

Die Auswahl der Teilnehmenden für das Jahr 2026 ist abgeschlossen. Für 2027 sind eine weitere Auswahlrunde und neue Begegnungsphasen geplant.

Ansprechperson

Lucie Wirz (Projektbeauftragte „Lebendige Erinnerung“)

E-Mail: wirz@dfjw.org