Kontext
In diesem deutsch-französischen Forschungsprojekt wird die Nutzung generativer KI durch junge Menschen im Kontext interkultureller Austauschprogramme untersucht, die vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) gefördert werden.
Ziele
Im Fokus stehen die Art der Nutzung dieser Tools (Übersetzung, Texterstellung, Kommunikationsunterstützung), das Bewusstsein der Jugendlichen für diese Technologien und deren Auswirkungen auf Kommunikation, zwischenmenschliche Interaktionen und die Dynamik des interkulturellen Lernens.
Die Forschung basiert auf einem explorativen Ansatz, der verschiedene Datenerhebungsmethoden kombiniert: einen Fragebogen für die teilnehmenden Jugendlichen, halbstrukturierte Interviews mit den Teamer:innen sowie eine teilnehmende Beobachtung während der deutsch-französischen Austauschprogramme.
Ziel ist es, zu verstehen, wie generative KI in die Kommunikationspraktiken und interkulturellen Lernprozesse junger Menschen integriert ist.
Forschungsfragen
- Wofür benutzen junge Menschen in Deutschland und Frankreich im Allgemeinen Künstliche Intelligenz? Diese Frage stellt implizit auch die Frage nach der Form der KI. Um welche KI handelt es sich genau und sind sich die jungen Menschen ihrer Nutzung bewusst?
- Wie wirkt sich diese Technologie auf das interkulturelle Lernen und die zwischenmenschliche Interaktion aus?
- Wie wird die KI von jungen Menschen im Kontext von DFJW Begegnung eingesetzt und was sind die Effekte, die sich aus diesen Prozessen ergeben?
Die Datenerhebungsmethoden der Forscherinnen unterscheiden sich voneinander und basieren auf ihrer jeweiligen fachspezifischen Expertise.
Methoden
Constructive Slops - Konkrete Utopien mit KI-Videos entwickeln
Projektidee und Ausgangslage
Generative KI-Videos prägen zunehmend die visuelle Kultur junger Menschen. Besonders verbreitet sind sogenannte „Slops“: Schnell produzierte, massenhaft verbreitete und konsumierte Kurzvideos. Diese dienen häufig als eskapistische Unterhaltung in einer von Krisen geprägten Welt und werden dabei nicht selten von populistischen Kräften als „Slopaganda“ instrumentalisiert.
Das Projekt Constructive Slops setzt hier an und verbindet medienpädagogische mit psychologischen Perspektiven. Es untersucht, wie KI-gestützte Videoformate von Jugendlichen nicht nur konsumiert, sondern konstruktiv, reflektiert und gesellschaftlich produktiv genutzt werden können – und welche emotionalen und psychologischen Prozesse dabei angeregt werden.
Das Projekt ist an der Schnittstelle dreier Forschungstraditionen verortet. Erstens greift es das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura (1997) auf: Die aktive Gestaltung utopischer Zukunftsbilder soll Jugendlichen die Erfahrung ermöglichen, als handlungsfähige Akteure auf ihre Umwelt einwirken zu können. Zweitens stützt sich das Projekt auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse zur Emotionsregulation im Jugendalter (Zimmermann & Iwanski, 2014), wonach kreative Ausdrucksformen eine wichtige Funktion bei der Verarbeitung von Zukunftsängsten und Krisenerleben übernehmen können. Drittens knüpft es an die wachsende Evidenzbasis zu Arts-based Interventions in der Kinder- und Jugendpsychiatrie an (Slayton et al., 2010), die zeigt, dass künstlerisch-gestalterische Prozesse therapeutisches und präventives Potenzial besitzen.
Mitglieder des Teams
Deutschland
Prof. Dr. Britta Galling, Professorin für Medizin und Klinische Psychologie in der Sozialen Arbeit, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW)
Prof. Dr. Hanna Klimpe, Professorin für Social Media, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW)
Frankreich
Anissa Hamza-Jamann, Maitresse de Conférences en Sciences du langage - Sciences de l’éducation et de la formation, Université de Lorraine
Véronique Lemoine-Bresson, Professeure des Universités en Sciences de l’Éducation et de la Formation – INSPE de l’Académie de Nice
Julia Putsche, Professeure des Universités en Didactiques de langes, Université de Strasbourg