800 Kilometer, drei Nationalitäten … und ein Fahrrad, das schon nach 2 km eine Panne hatte!
Am 3. August 2026 verließen wir Onzain in Richtung Flein. Vor uns lagen fast 800 Kilometer, davon 250 mit dem Fahrrad. Die Strecke führt uns über mehrere Etappen, die der Sensibilisierung für die Blutspende gewidmet waren, und wurde zu einem Abenteuer, das die Teilnehmenden aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammenbrachte.
Das Projekt entstand aus dem gemeinsamen Engagement des Partnerschaftskomitees und des örtlichen Vereins freiwilliger Blutspender:innen. Im Fokus stand eine einfache Idee: Sport und das Engagement junger Menschen zu nutzen, um für die Blutspende zu sensibilisieren und die europäische Bürgerschaft aktiv erlebbar zu machen.
Und was gibt es Besseres auf einer Strecke von 800 Kilometern als ein kaputtes Fahrrad … schon nach 2 Kilometern?
Im Laufe der Etappen häuften sich die Begegnungen. In Nancy kam ein kleines Mädchen zwei Tage infolge zu uns: Sie wollte sich uns anschließen und ihre Großmutter mit nach Deutschland nehmen. Eine einfache Begegnung, die jedoch eine Frage aufwirft: Wie misst man eigentlich die Wirkung eines solchen Projekts?
120 Spenden, 100.000 Aufrufe … aber ist es wirklich das, was zählt?
Unser ursprüngliches Ziel war es, 100 Spendenzusagen zu sammeln. Letztendlich haben wir die 120 überschritten. Innerhalb weniger Wochen erzielten unsere Beiträge in den sozialen Netzwerken mehr als 100.000 Aufrufe. Etwa zehn Presseartikel und Radiobeiträge berichteten über unser Abenteuer.
Die Kinder und Jugendlichen waren übrigens nicht nur einfache Teilnehmende. Einige Schüler:innen übernahmen einen Teil unserer Kommunikation, indem sie Inhalte selbst konzipierten und produzierten. Für andere stand ein Workshop zur Radioaufzeichnung und die Produktion einer Sendung auf dem Programm. Wieder andere kümmerten sich um die Wartung der Fahrräder.
Doch diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Wie lassen sich verbesserte Sprachkompetenzen und neue, nachhaltige Freundschaften zwischen jungen Menschen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemessen, die im Rahmen von DFJW-Begegnungen rund um Städte- und Regionalpartnerschaften entstehen? Durch die interkulturellen und sportlichen Aktivitäten vor Ort oder durch diesen letzten Abend in Flein, an dem wir gemeinsam bis Mitternacht Lieder in den drei Sprachen gesungen haben … obwohl die Abfahrt am nächsten Tag um 5 Uhr morgens geplant war?
Eine Erinnerung, die wahrscheinlich mehr über den Erfolg unseres Projekts aussagt als viele Zahlen.
Mit der Städtepartnerschaft aufwachsen … und sich dann engagieren
Ich bin schon als kleines Mädchen in die Städtepartnerschaft hineingewachsen. Meine Mutter engagiert sich seit jeher dafür. Heute ist sie Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses von Onzain. Ich bin mit dem Empfang von Delegationen, den Austauschprogrammen und dieser deutschen Präsenz im Alltag aufgewachsen.
Aber in diesem Umfeld aufzuwachsen und sich dann selbst zu engagieren, sind zwei verschiedene Dinge.
Mehrere Monate lang war ich an der Vorbereitung der Aktion „Roulons pour la citoyenneté européenne et pour sauver des vies“ beteiligt: logistische Organisation, Zeitplanung, Projektpräsentationen, Kontakte zu unseren Partnern in Deutschland und Frankreich, Austausch mit den Medien sowie die Koordination der jungen Leute, die für die sozialen Netzwerke zuständig waren.
Warum so viel Zeit für einen Verein aufwenden?
Ich habe darin viel mehr gefunden, als ich mir vorgestellt hatte. Ich konnte die in meinem Beruf erworbenen Kompetenzen, insbesondere im Projektmanagement, einbringen, aber auch neue entwickeln und ausbauen. Ein solches Projekt führt dazu, dass man mit jungen Menschen, Freiwilligen, Kommunen, Vereinen, Medien und ausländischen Partnern zusammenarbeitet: Menschen verschiedener Generationen, Kulturen und Lebenswege, die vielleicht nie die Gelegenheit gehabt hätten, gemeinsam etwas aufzubauen.
Und das Engagement in einem Verein geht weit darüber hinaus: Es sind unerwartete Begegnungen, Verantwortung, Momente des Austauschs und vor allem das Gefühl, konkret zu etwas beizutragen, das über uns selbst hinausgeht.
Für mich gibt dieses Engagement meiner Zeit Sinn. Gleichzeitig wird die europäischen Bürgerschaft, von der manchmal sehr abstrakt gesprochen wird, ganz konkret.
Eine 35-jährige Städtepartnerschaft: Erbe der Vergangenheit oder Spielwiese für die Zukunft?
Die Städtepartnerschaft zwischen Onzain und Flein besteht seit über 35 Jahren. Auch im Jahr 2026 haben wir drei Tage lang Delegationen aus Flein und Darley Dale (Großbritannien) zu zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten empfangen.
Wenn man jung ist, kann das Wort „Städtepartnerschaft“ manchmal so wirken, als gehöre es einer anderen Zeit an. Soll man Städtepartnerschaften so beibehalten, wie sie vor 35 Jahren bestanden? Ja, und sie neu erfinden!
Eine Städtepartnerschaft kann der Ausgangspunkt für ein sportliches, solidarisches, kulturelles oder ökologisches Projekt sein. Eine Gelegenheit zum Reisen, aber vor allem dazu, sich zu begegnen, gemeinsam etwas aufzubauen und eine so weit gefasste Idee wie „Europa“ in Gesichter, Vornamen und gemeinsame Erinnerungen zu verwandeln.
Für meine Generation mag die deutsch-französische Freundschaft selbstverständlich erscheinen. Doch kann sie Bestand haben, wenn niemand sie weiter am Leben erhält?
Sie beruht nicht allein auf Verträgen oder Institutionen. Sie lebt, weil Menschen weiterhin Grenzen überschreiten, sich gegenseitig willkommen heißen und gemeinsam Projekte entwickeln. Heute muss sich unsere Generation diese Projekte zu eigen zu machen, sie neu erfinden und den nachfolgenden Generationen Lust machen, den Staffelstab zu übernehmen.
Diesen Sommer wollten wir unsere Freund:innen aus Deutschland am Ende unserer sportlichen und solidarischen Reise treffen, um auf ein gemeinsames Anliegen aufmerksam zu machen. Wir sind mit Ergebnissen zurückgekehrt, aber auch mit neuen Fähigkeiten, Erinnerungen, Freundschaften und – bereits im Kopf – einer Fortsetzung, um diese neuen Ambitionen weiterzuführen.
Und wenn es letztendlich genau das bedeutet, Europa lebendig zu halten: sich dort zu engagieren, wo man lebt, auf andere zuzugehen und geerbte Verbindungen in Projekte zu verwandeln, die uns entsprechen?
Marion Lhuillier war an der Organisation von „Roulons pour la citoyenneté européenne et pour sauver des vies“ beteiligt, einem Projekt des Partnerschaftskomitees von Onzain. Da sie seit ihrer Kindheit in den deutsch-französischen Austausch eingebunden ist, ist sie davon überzeugt, dass junge Menschen einen festen Platz im Vereinsleben haben, insbesondere um die europäische Bürgerschaft auf ihrer Ebene mit Leben zu füllen.
Blog "Die Jugend hat das Wort"
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