Ein Vorzeigeprojekt mit jungen Menschen aus Europa
Zwischen Februar und Mai 2026 trafen sich bei drei Begegnungsphasen im Rahmen des trilateralen Projekts „Fake News und digitale Bürgerschaft“ junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und Rumänien. Bei Theaterworkshops, Treffen mit Journalist:innen, Medienkompetenz-Workshops und Sprachaktivitäten setzten sie sich intensiv mit dem Thema Desinformation auseinander. Das Projekt versteht sich als künstlerisches und bürgerschaftliches Labor, als Raum für Reflexion und Experimentierfreude. Ziel ist es, junge Menschen in Europa für demokratische Herausforderungen im Zusammenhang mit Desinformation zu sensibilisieren – ein globales, aktuelles und besorgniserregendes Phänomen. Anhand eines partizipativen und inklusiven künstlerischen Ansatzes soll das Projekt kritisches Denken fördern, Wachsamkeit gegenüber digitalen Inhalten schärfen und ein informiertes bürgerschaftliches Engagement stärken.
Aus diesen Erfahrungen und Überlegungen entstehen mehrere Arbeiten, die der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden: „Wahrheit oder Lüge?“ ist eine mehrsprachige Theaterperformance, die von den Teilnehmenden gemeinsam entwickelt und aufgeführt wird. „Procédé Novas“ ist eine Zeitung mit Artikeln, die von den Jugendlichen zu projektbezogenen Themen verfasst wurden. Außerdem haben die jungen Leute gemeinsam mit Expert:innen und Journalist:innen Radiosendungenmoderiert. Dank seiner Aktualität, der europäischen Dimension und seines innovativen Ansatzes wurde das Projekt für den deutsch-französischen Preis „Inspiring Young Europeans 2025“ ausgewählt, der von der Fondation Hippocrène und dem DFJW ausgerichtet wird. Der Preis unterstützt zivilgesellschaftliche Jugendprojekte, damit sie auf europäischer Ebene entwickelt oder ausgeweitet werden können.
Die Theatergruppe Procédé Zèbre (Vichy, Frankreich) setzt das Projekt in Zusammenarbeit mit der Eberhard-Karls-Universität (Tübingen, Deutschland), der Oberschule Saint-Joseph (Cusset, Frankreich) und dem Colegiul Național Titu Maiorescu (Aiud, Rumänien) um.
Die Teilnehmenden kommen zu Wort und teilen ihre Erfahrungen:
Begegnung in Rumänien
„Während dieser Arbeitswoche haben wir das TV-Studio Cluj besucht, an einem Schreibworkshop und an einem Workshop über psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Fake News teilgenommen. Wir haben zwei unglaubliche Journalistinnen, Bianca und Carmen, kennengelernt und hatten die Gelegenheit, an einer Podiumsdiskussion im Institut français in Cluj teilzunehmen. Dort erfuhren wir von Factual, der ersten Faktenprüfungsplattform in Rumänien, und haben uns mit dem Begriff der digitalen Bürgerschaft auseinandergesetzt.“
Das Projekt ist in erster Linie theatralisch, und natürlich sind die Aufführungen wichtige Momente. (…) Wir sind an der USAMV-Universität in Cluj-Napoca aufgetreten. In solchen Momenten ist der Zusammenhalt der Gruppe am größten, denn vor der Aufführung fürchtet man sich immer irgendwie, was mit Aufregung einhergeht.
Erfahrungsbericht von Marion De Larebeyrette und Sanae Zacharie
Theaterworkshops: eine prägende Gemeinschaftserfahrung
„Während unserer Reise nahmen wir an mehreren Theaterworkshops teil, die in einem Raum des Studierendenwerks stattfanden. Wir machten verschiedene Theaterübungen, darunter Improvisationen, die wir bereits während unseres Aufenthalts in Deutschland begonnen hatten. Nach und nach entwickelten sich diese Improvisationen zu echten Szenen, die wir gemeinsam inszenierten.
Wir haben auch am körperlichen Ausdruck gearbeitet. Einer der Workshops hieß „Le Mistral“, er verband Bewegung und Tanz. Ein anderer Workshop war „Les vestes“, wobei wir anhand journalistischer Skills lernten, wie man Nachrichten vorträgt. Ein letztes Beispiel ist „TokTok“ mit Figuren in weißen Overalls, die mit dem Handy in der Hand herumliefen: Jede Benachrichtigung löste eine andere Emotion aus. Bei diesen Workshops haben wir gelernt, unsere Stimme einzusetzen, uns vor anderen auszudrücken und im Team zu arbeiten.“
Erfahrungsbericht von Eléonore Morin.
Medienworkshops: So entschlüsselt man Informationen
„Bei jedem Auslandsaufenthalt nahmen wir an Medienworkshops teil, die von professionellen Journalist:innen geleitet wurden. Während unseres Aufenthalts in Cluj-Napoca / Rumänien, gab uns die lokale Journalistin Bianca Padurean einen Einblick hinter die Kulissen der journalistischen Arbeit.
Dieser Workshop dauerte zwei Tage. Am ersten Tag arbeiteten wir etwa drei Stunden lang im Studierendenwerk. Am nächsten Tag besuchten wir ein echtes Fernsehstudio der Stadt und setzten unseren Workshop dort fort.
Ein besonders eindrucksvoller Moment war, als die Journalistin uns einen Musikclip zeigte. Zunächst schien alles echt zu sein: die Sängerin, die Stimme und das Video. Doch dann erfuhren wir, dass alles mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt worden war. Dieses Beispiel hat uns gezeigt, wie schwierig es heutzutage sein kann, Echtes von Fälschungen zu unterscheiden.“
Erfahrungsbericht von Eléonore Morin
Sprachlern-Workshops: Die Sprache des Anderen als Bereicherung
„Die Sprachlern-Workshops sind eine perfekte Gelegenheit, neue Sprachen zu lernen! Das Ziel dieser Workshops ist es, durch kleine spielerische und unterhaltsame Spiele die Sprachen und Kulturen verschiedener Länder kennenzulernen. An jedem Wochentag war am frühen Nachmittag eine Stunde für den Workshop vorgesehen – einer der besten Zeitpunkte, um zu spielen, Spaß zu haben und dabei zu lernen. Anhand verschiedener Aktivitäten, die auf Ideen des DFJW zurückgehen, konnten alle Fortschritte machen. Wir sind nun in der Lage, ein paar Worte in einer Sprache zu sagen, die uns vor nicht allzu langer Zeit noch unbekannt war.“
Erfahrungsbericht von Alhena Van Parys Mace
Informationen vermitteln mit der Zeitung „Procédé Novas“
Um ihre Erfahrungen mit der breiten Öffentlichkeit – anderen Jugendlichen und Leser:innen jeden Alters – zu teilen, haben die Teilnehmenden Artikel in ihrer Muttersprache verfasst und diese anschließend ins Deutsche, Französische und Rumänische übersetzt. Die Artikel sind in der Zeitung „Procédé Novas“ zusammengefasst, die gedruckt und digital auf Procédé Zèbres Webseite verfügbar ist.
Teilnehmende und Projektleitung
Mit: Caroline Binder, Baptiste Bluteau, Isabela Stefania Blagu Gal, Clara Sophie Ganz, Matei Cristian Gâlea, Andra Ioana Hagea, Alisa Sophie Kraft, Marion De Larebeyrette, Irambona Misago Tema, Éléonore Morin, Maya-Georgiana Nistrea, Oana Riana Olar, Lucian Cristian Popa, Alhena Van Parys, Manuella Yayo, Sanae Zacharie, Carole Zacharie, Gabriela Gâlea, Andreea Hamorszki, Nicolas Heslault und Benjamin Massot.
Inszenierung von „Wahrheit oder Lüge?“: Fabrice Dubusset und Arnaldo Ragni
Technische Leitung: Pierre Valente
Produktion: Nina Glaab
Medienbeiträge: Kossi Themanou, Komi Evegnon, Bianca Padurean, Carmen Lucut, Marie-Béatrice Baudet, Florine Hausfater, Sylvie Vignancour, Juliette Moyer, Pierre Géraudie
Der Verein verfolgt ein doppeltes Ziel: Theater für alle zugänglich zu machen und künstlerisches Schaffen als Hebel zur Erforschung sozialer Fragen zu nutzen. Procédé Zèbre wurde 1991 gegründet und arbeitet seit über 30 Jahren an hybriden Kunstformen, die Theater, Musik und interdisziplinäre Interventionen miteinander verbinden.
Der Verein organisiert europäische Jugendworkshops in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Partnern.
Die beiden vorangegangenen Workshops wurden im Rahmen des Erasmus+-Programms durchgeführt. Der Schwerpunkt lag auf den Themen Konflikte und Migration in Europa im 20. Jahrhundert. Diese Projekte brachten junge Menschen aus verschiedenen Ländern im Rahmen eines engagierten künstlerischen und pädagogischen Prozesses zusammen. Aus diesen Erfahrungen entstand eine Methodik, die Inklusion, aktive Teilhabe und die Kreativität der jungen Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Der Ansatz fördert die Entwicklung von Selbstständigkeit, Selbstvertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe und zu einer europäischen Gemeinschaft.
Blog "Die Jugend hat das Wort"
Das DFJW gibt jungen Menschen das Wort zu Themen, die ihnen am Herzen liegen. Entdecken Sie ihre Erfahrungen, ihre Ideen und ihre Gedanken.