Rechte Tendenzen in ökologischen Kontexten

In den letzten Jahren ist der Druck von rechts enorm gestiegen. In allen Bereichen ist das spürbar. Auf politischer Ebene, in Schulen, im Dorfleben oder im Stadtviertel. Und auch im Umweltbereich. 
Da gibt es viele verschiedene Beispiele. In Deutschland sind da etwa der Mythos „Deutscher Wald“ oder der „Heimatschutz“.  Oder auch völkische Siedler:innen, die mit ihren „Zurück-aufs-Land-Ideen“ ein friedliches Bild von Selbstversorgung vermitteln und gleichzeitig eindeutig rechte Ideologien vertreten. Ich lege hierzu allen die Broschüre der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) „Grünes Blatt auf braunem Boden. Rechte Ideologien in der Landwirtschaft“ ans Herz.

Das hat mich vor allem interessiert, weil ich mich für Landwirtschaft interessiere. So war ich in den letzten Jahren immer wieder auch in ökologischen Kontexten in Frankreich unterwegs. Dort bin ich ebenfalls rechten Tendenzen begegnet. Mal mehr esoterisch verkleidet, mal direkt offen, stolz auf ultratraditionelle Werte bezogen. Oft war es schwierig für mich, direkt zu erkennen, ob es sich wirklich um rechte Gruppen handelte oder nur um eine starke Liebe zur Natur, die eine rationale Sichtweise verklärte. Seit der Covid-19-Pandemie hat sich dies noch verstärkt. Wo ist eine Kritik relevant und wichtig? Wo fängt das Schwurbeln an? Dazu gibt es einen super Film, den wir geschaut haben. Bitte seht ihn euch bis zum Ende an, sonst ist er nicht verständlich.

Diesen Druck von rechts, der wie eine Welle über die Gesellschaft einbricht, finde ich zutiefst beunruhigend. Aus diesem Grund kam der deutsch-französische Austausch „Natur, rechtsextreme Ideologien, demokratische Handlungsfähigkeit“, der Anfang März 2026 stattfand, genau zur richtigen Zeit.

Gemeinsames Lernen über Grenzen hinaus

Mit einer Gruppe junger Menschen sind wir mit dem Zug nach Südfrankreich gereist, um dort junge Leute aus Frankreich zu treffen. Ziel des Projekts war interkultureller Austausch über rechte Ideologien in Natur- und Umweltschutz sowie in ländlichen Regionen in Deutschland und Frankreich. Natürlich mit Schwerpunkt auf Frankreich, da wir dort beherbergt waren.

Wir haben u. a. über Themen wie das Leugnen des Klimawandels, Esoterik und Anthroposophie diskutiert. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht und Problematiken herausgearbeitet. Dabei sind uns bei manchen Themen auch kulturelle Unterschiede begegnet. Zum Beispiel ist in Frankreich viel weniger über den Hintergrund von biodynamischer Landwirtschaft bekannt als in Deutschland. Höfe, die l'agriculture bio-dynamique betreiben, gibt es zwar auch in Frankreich, aber bei unserem Austausch hat sich gezeigt, dass nur wenige wussten, dass dahinter die Lehre von Rudolf Steiner – die Anthroposophie – steht. Das ist etwas, was den Teilnehmenden aus Deutschland bekannter war, auch aufgrund der vielen Waldorfschulen oder anderer anthroposophischer Einrichtungen. In der Gruppe haben wir uns mit Rassismus und Antisemitismus in den Texten von Steiner auseinandergesetzt. Das hat mich sehr schockiert und mein Bild der anthroposophischen Bewegung in Deutschland verändert.

Für die Teilnehmenden aus Frankreich war Esoterik aber auch ein großes Thema. Es wurde von Erfahrungen mit Impfgegner:innen berichtet, die Schulmedizin komplett ablehnen. Während der Corona-Pandemie verbreiteten sie Verschwörungstheorien und sahen keine Notwendigkeit darin, Menschen mit chronischen Erkrankungen zu schützen. Wir hatten eine spannende Diskussion darüber, welche Bedürfnisse bei Menschen dahinterstehen, wenn sie sich esoterischen Ideen oder Praktiken zuwenden und warum hier häufig auch rechte Ideologien ins Spiel kommen.

Auch der Austausch dazu, wie wir mit rechten Bewegungen und Ideologien im Kontext von Natur-, Umweltschutz und Ländlichkeit umgehen und was wir dagegen tun können, war in der Gruppe sehr spannend. Hier sind manche ein bisschen aneinandergeraten, weil wir uns nicht einig waren, ob es sinnvoller sei, Menschen mit rechtem Gedankengut aus Organisationen und Orten lieber konsequent auszuschließen und klare Grenzen zu ziehen oder ob es Foren geben müsse, um mit ihnen Kontakt zu haben und diskutieren zu können. Mir ist es gefallen, dass die Diskussion ein bisschen chaud war, auch wenn es mit den verschiedenen Sprachen plötzlich sehr schwierig wurde. Bis dahin hatten wir das sehr gut hinbekommen. Auch wenn die Thematik des Wochenendes insgesamt herausfordernd und zwischendurch die Stimmung ein bisschen angespannt war, hat mich der Austausch mega empowert. 

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Und nun?

Mir wurde bewusst, wie wichtig es im Zeitalter der sozialen Medien ist, Quellen genau zu checken. Die Seiten zu Faktenchecks haben mir dabei sehr geholfen. Ich lege sie allen ans Herz.

Und es ist wichtig in einen Austausch zu kommen. Auch über die Landesgrenzen hinweg. Allein vor dem Handy kann man schnell durch Influencer:innen mit menschenfeindlichen Inhalten in Berührung kommen.   

Ein Punkt, der enorm wichtig für mich war, ist die Vielfalt. Wenn wir uns über sie freuen und sie verteidigen, machen wir genau das, was rechte Strömungen nicht wollen. Und auch gerade im Umweltbereich ist es wichtig, unsere Werte klar zu benennen und Menschenverachtung keinen Platz zu geben. Man kann gerne in der Natur sein und Öko-Landwirtschaft betreiben, ohne rechte Ideologie zu verbreiten oder sich auf rechte Traditionen und braune Ideen zu beziehen.

Es lebe die Diversität!

Die zunehmende Verbreitung rechten Gedankenguts in den letzten Jahren macht sowohl vor diesem Thema, also auch vor Ländergrenzen, keinen Halt. Vren, 23 Jahre alt, findet das äußerst besorgniserregend, möchte das Thema sichtbar machen und Menschen darüber in den Austausch bringen.

Vren
Teilnehmende an dem Austausch zum Thema “Rechte Ideologien in Ökologie und Umweltschutz”

Blog "Die Jugend hat das Wort"

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