Von A wie abstention (Enthaltung) bis Z wie Zusammenleben (vivre-ensemble): Mehr als 1 600 Begriffe werden in diesem zweisprachigen Glossar „Éducation citoyenne / Politische Bildung" erklärt und übersetzt. Sprache ist ein Schlüssel zur Welt. Sie hilft, das Nachbarland besser zu verstehen.

Nach Jahrhunderten der Kriege, darunter zwei Weltkriege, haben Deutschland und Frankreich das weltweit engste bilaterale Verhältnis zweier Nachbarländer aufgebaut. Und doch unterscheiden sich nicht nur unsere politischen Systeme grundlegend, sondern auch unser Verständnis von politischer Bildungsarbeit inmitten eines Europas der Vielfalt.
Dieses Glossar ist kein Wörterbuch. Es ist vielmehr ein Werkzeugkasten und eine Ermutigung für Projektträger und Fachkräfte, politische Bildung stärker im deutsch-französischen Jugendaustausch zu verankern. Es entschlüsselt Begriffe, die ein unterschiedliches Staatsverständnis sichtbar machen, bürgerschaftliches Engagement und Erinnerungskultur umschreiben oder als terminologisches Rüstzeug für die non-formale Bildungsarbeit dienen. Manche Begriffe sind seit Jahrzehnten gesetzt, andere entstammen Debatten, die noch ergebnisoffen, aber heute für junge Menschen bedeutsam sind.

Drei Entwicklungen machen diese Aufgabe besonders dringlich: Erstens wählt eine wachsende Zahl junger Menschen in Deutschland, Frankreich und Europa extreme Parteien – die jüngsten Wahlen in Ostdeutschland im Jahr 2026 markieren eine Zäsur. Zweitens stellen Konflikte und Kriege in Europa und seiner Nachbarschaft unsere demokratischen Gesellschaften vor neue Herausforderungen. Politische Bildung, gestützt auf Grundgesetz, Verfassung und die Menschenrechtsstandards des Europarats, bietet Orientierung in einer bisweilen schwindelerregenden Welt. Drittens verändert sich öffentliche Kommunikation rasant: Digitale Medien beschleunigen Informationsflüsse, Desinformation und populistische Narrative prägen den alltäglichen Diskurs. Gerade deshalb gewinnen klare Begriffe an Bedeutung.

Deutsch-französische Jugendbegegnungen sind seit Jahrzehnten Orte demokratischen Lernens. Junge Menschen diskutieren gesellschaftliche Fragen, erfahren Vielfalt und lernen, Perspektiven zu wechseln. Das Deutsch-Französische Jugendwerk versteht seine Arbeit auch als Beitrag zu demokratischem Zusammenleben und gesellschaftlicher Teilhabe junger Menschen – unabhängig von ihrer Lebenslage. Aus diesem Erfahrungsschatz und aus zwei miteinander verflochtenen Bildungstraditionen ist dieses Glossar entstanden, um junge Menschen und Fachkräfte, die sich für unsere Demokratie interessieren und engagieren, zu unterstützen. Denn eine lebendige Demokratie lebt nicht von Enthaltung, sie lebt von Mitmachen und Zusammenleben.

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