#2 Stresstest für die Jugendmobilität im Grenzraum

Ines Funk, Christian Wille

In Europa hat sich das Zusammenleben der Menschen seit Beginn der COVID-19-Pandemie im März 2020 in dramatischer Weise verändert. Besonders schmerzhaft waren die zeitweiligen Schließungen der EU-Binnengrenzen, die die Ausbreitung des Corona-Virus verhindern sollten. Insbesondere für die Bewohner:innen der europäischen Grenzregionen bedeutete dies einen harten Einschnitt in ihren grenzüberschreitenden Lebens- und Arbeitsalltag.

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Auf einen Blick

Grenzüberschreitende Ausbildungsangebote als wichtiges Element grenzüberschreitender Verflechtungen
Die grenzüberschreitende duale Berufsausbildung und grenzüberschreitende Studienprogramme sind wichtige Bestandteile der Verflechtungen in deutsch-französischen Grenzregionen. Sie eröffnen jungen Menschen Arbeitsmarktchancen in beiden Ländern und bringen dringend benötigte Fachkräfte mit europäischem Profil hervor.

Grenzüberschreitende Studienprogramme verlieren zeitweise an Attraktivität
Die während der Pandemie eingerichteten Beratungs- und Unterstützungsangebote entsprachen nicht immer den Erwartungen von Studierenden in grenzüberschreitenden Studienprogrammen. Ihre besondere Situation wurde bei vielen Entscheidungen nicht ausreichend berücksichtigt. Die Studienprogramme verloren zeitweilig an Attraktivität, da geplante Auslandsaufenthalte oft durch Online-Angebote ersetzt wurden und somit die interkulturellen Alltags- und Studienerfahrungen vor Ort fehlten.

Die Pandemie wirft die grenzüberschreitende Berufsausbildung zurück
Die COVID-19-Pandemie erschwerte die notwendige gesetzliche und administrative Neuordnung der grenzüberschreitenden Berufsausbildung erheblich und stellte erfolgreich etablierte Strukturen auf eine harte Probe. Bis heute hat sich die grenzüberschreitende Berufsausbildung nicht erholt. Auch waren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bereits eine grenzüberschreitende duale Berufsausbildung absolvierten, genauso wie andere Grenzgänger:innen von den Grenzschließungen und den damit verbundenen Herausforderungen betroffen.

Rahmenbedingungen grenzüberschreitender Ausbildungsangebote für die Zukunft sichern
Der Stresstest der Pandemie zeigt deutlich, dass die Bedeutung und Besonderheiten grenzüberschreitender Ausbildungsangebote in den politischen und administrativen Prozessen noch nicht ausreichend verankert sind. In zukünftigen Krisensituationen muss sichergestellt sein, dass die notwendigen Rahmenbedingungen für grenzüberschreitende Ausbildungsangebote aufrechterhalten werden können. Dazu bedarf es starker und vertrauensvoller deutsch-französischer Kooperationen, die auch in schwierigen Zeiten gemeinsames Handeln ermöglichen.

 

Ines Funk (Dr.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachrichtung Gesellschaftswissenschaftliche Europaforschung und im CEUS | Cluster für Europaforschung an der Universität des Saarlandes. Sie ist Koordinatorin des Master Border Studies und bietet im Master Border Studies sowie im Bachelor „Europawissenschaften: Geographien Europas“ humangeographische Lehrveranstaltungen an. Als Mitglied des UniGR-Center for Border Studies forscht sie zu grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsmärkten und grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung.

Christian Wille (Dr.) ist Senior Researcher an der Universität Luxemburg und Leiter des interdisziplinären Kompetenzzentrums „UniGR-Center for Border Studies”. Er lehrt kulturwissenschaftliche Grenzforschung und ist am Standort Luxemburg stellvertretender Leiter des Master Border Studies. Nach dem Studium der Interkulturellen Kommunikation und Französischen Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes, Doppelpromotion im Saarland und in Luxemburg hat er für die Universität Lothringen, die Technische Universität Kaiserslautern und die Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle der Großregion gearbeitet. www.wille.lu

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