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Hohe Landesschule Hanau (Hessen)
Lycée Dhuoda, Nîmes (Gard)
Begegnung vom 23. - 30.4.1995 in Breisach
14 deutsche und 19 französische Teilnehmer
Das Programm
Das Programm wurde ausgehend von der Unterrichtsarbeit mit Tomi Ungerers Autobiographie «A la guerre comme à la guerre» gestaltet. Zunächst konfrontierten die französischen und deutschen Schüler in Arbeitsgruppen ihre Sichtweise der jeweilig anderen Nation miteinander. Dabei hoben sie Unterschiede zwischen ihrer Generation und der ihrer Großeltern hervor, deren Bild häufig durch historisch bedingte Ressentiments gekennzeichnet sei.
Von Ungerers Buch ausgehend erarbeiteten die Schüler in deutsch-französischen Kleingruppen Fragen, um sie Menschen auf beiden Seiten der Grenze zu stellen:
a) in Freiburg
b) in Colmar bzw. Logelbach, dem Stadtteil, in dem Ungerer seine Kindheit und Jugend verbrachte.
Eine Kleingruppe befragte auch in einem Altersheim in Colmar Menschen, die die Kriegsjahre erlebt hatten.
Die Ergebnisse der Umfragen wurden im Anschluß an die Exkursionen nach Freiburg und Colmar von der Gesamtgruppe ausgewertet.
Begleitend zu allen Unternehmungen hatten die Schüler ein Dossier zu bearbeiten, in dem ihnen einerseits historische und kulturelle Informationen zu den einzelnen Besichtigungsschwerpunkten zur Verfügung standen, und andererseits Anregungen zur Auseinandersetzung mit dem Gesehenen und Erlebten gegeben wurden.
So verglichen die Schüler anläßlich der Stadtrundgänge in Freiburg und Colmar die Stadtarchitektur und wurden auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufmerksam. Im Unterlindenmuseum in Colmar erlebten die Schüler eine aufschlußreiche Führung zum Isenheimer Altar, den Ungerer als Kind häufig betrachtete und der seiner Autobiographie zufolge sein späteres Schaffen beeinflußt hat.
In Straßburg konnten wir wegen einer außerordentlichen Sitzung keine Führung im Europa Parlament bekommen. Eine alternativ angesetzte Stadtrundfahrt half den Schülern, die wechselvolle Geschichte der Stadt und die heutige Rolle Straßburgs in der europäischen Gemeinschaft zu begreifen. Über die historische Entwicklung der EU und die Rolle von Europarat und Europaparlament wurden die Schüler am folgenden Tag von den Leitern ausführlich informiert.
Sowohl in Colmar als auch in Staßburg hatten die Schüler in der Person der beiden Führerinnen implizit und explizit Gelegenheit, die identité alsacienne kennenzulernen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Schließlich konnten die Schüler in Straßburg im dortigen "Centre Tomi Ungerer" (z.Zt. noch ein Archiv) Originale von Tomi Ungerer sehen und die unterschiedlichen Facetten seines Werkes kennenlernen. Auch konnten sie die in 'A la guerre comme à la guerre' abgebildeten Schulhefte, Zeichnungen, etc. im Original einsehen. Zusätzlich zu dem geschilderten Projektschwerpunkt besuchten wir auf Vorschlag der französischen Gruppe das Atomkraftwerk in Fessenheim (Die Schülergruppe ist eine Première S eines Lycée Technique, Atomkraft ist ein zentrales Thema des Faches Physik in diesem Jahrgang).
Auswertung
Bei der Begegnung konnten die sprachlichen Schwierigkeiten fast immer problemlos überwunden werden, da die Schüler des Leistungskurses Französisch 11 über genügend Sprachkompetenz verfügten, um mit den überwiegend nicht deutsch-lernenden Schülern aus Nîmes zu kommunizieren. Die Schüler arbeiteten regelmäßig in deutsch-französischen Kleingruppen, so bei den Umfragen, bei deren Auswertung und beim Erstellen der Artikel für das gemeinsame Journal. Lediglich die Führung zum Isenheimer Altar war zweisprachig. Ansonsten konnten die Leiter bei Verständigungsschwierig-keiten helfen. Das Programm wurde am Ende von den Teilnehmern ausgewertet. Beide Gruppen äußerten sich positiv über die gemachten Erfahrungen und die Mehrzahl der Aktivitäten während der Begegnung.
Die Form der Drittortbegegnung ist für das Zusammenwachsen und Zusammenarbeiten zweier Gruppen sehr förderlich, zumal wenn es sich, wie in diesem Falle, um sehr unterschiedliche Gruppen handelt (verschiedene Schulformen, sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Gruppen nach Geschlechtern, höchst unterschiedliche Voraussetzungen bei der Beherrschung der Partnersprache).
Die Bindung des inhaltlichen Projekts an einen Ort/eine Region ermöglicht eine Vielzahl von Aktivitäten und intensive Erfahrung, sie erhöht wesentlich die Effektivität der Begegnung.
Die Jugendherberge in Breisach versteht sich als deutsch-französische Begegnungsstätte und eignet sich hervorragend für Begegnungen und Arbeitstreffen von Jugend- und Schulgruppen, zumal auch eine Unterstützung bei der Programmgestaltung von den Koordinatoren der EJE erfolgt.
I. Merkelbach-Weis |