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Austauschprojekt «Jugendliteratur»

Bavink-Gymnasium, Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Lycée Clémenceau, Montpellier (Hérault)

Austausch vom 26.4.1996 - 6.5.1996 in Bielefeld
und
vom 28.5.1996 - 7.6.1996 in Montpellier
25 deutsche und 25 französische Schüler

Bericht

In der Zeit vom 26.4.96 bis 6.5.96 treffen sich erstmals Schüler und Schülerinnen des Lycée Clémenceau und des Collège des Garrigues aus Montpellier mit Schülern der 10. Klasse des Bavink-Gymnasiums.

Im Mittelpunkt dieses Schüleraustausches steht, neben landeskundlichen Aspekten, die gemeinsame Arbeit der Jugendlichen mit deutscher und französischer Jugendliteratur. Die Schülergruppen haben vor der Begegnung jeweils "Ich bin eine Wolke" von Dagmar Kekule und «La force du Berger» von Azouz Begag gelesen.

Während der Schülerbegegnung in Bielefeld erarbeiten die Schüler gemeinsam in Arbeitsgruppen verschiedene Themen und Aspekte. Die Probleme Jugendlicher (alleinerziehende Eltern, Drogen, Schulprobleme etc.), die in dem deutschen Buch dargestellt werden, haben die Schüler im Vorfeld der Begegnung auf ihren «Realitätsgehalt» hin überprüft, indem sie Erkundigungen beim Jugendamt, bei Einrichtungen der Jugendhilfe und bei Juristen einholten.

Die französischen Jugendlichen haben sich in Montpellier bei entsprechenden Institutionen ebenfalls sachkundig gemacht. Auch wurden vor der Begegnung in den beteiligten Schulen bilinguale Umfragen zu den Themen «Taschengeld-Ferienjob» und «Nachhilfe» durchgeführt.

Die Ergebnisse dieser Aktivitäten werden während des Austausches ausgewertet und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Ländern herausgestellt. In weiteren Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Schüler beider Länder gemeinsam mit folgenden Themen:

    Dramatisierung einer/mehrerer Szenen des Buches
    Verfassen eines anderen Schlusses des Romans
    Darstellung alternativer Verhaltensweisen der Hauptfigur
    der «typische Sonntag» deutscher und französischer Jugendlicher
    Erstellen einer Projektzeitung mit Wörterbuch zu jugendsprachlichen Redewendungen

Die Ergebnisse dieser Arbeiten (z.B. Theaterszene, Videofilm, Dokumentation) präsentieren die Schüler am Freitag, dem 3.5.96, ab 16.00h der Schulöffentlichkeit.

Den Abschluß dieser Schülerbegegnung bildet der von den Schülern gestaltete Abend in der Sparrenburg am Samstag.

Vom 28.5. bis 7.6. fahren die Schüler des Bavink-Gymnasiums nach Montpellier. Hier werden sich die Schüler gemeinsam mit der Thematik des französischen Jugendbuches auseinandersetzen. Die Probleme algerischer Einwanderer in Frankreich, die Begag aus eigener Erfahrung darstellt, veranlaßten die Schüler dazu, sich mit dem Thema «Fremdsein - Probleme unserer Mitschüler aus anderen Kulturen» auseinanderzusetzen. Sie führen vor dieser Begegnung Umfragen in den Schulen zu den verschiedenen Nationalitäten der Schüler durch und interviewen Schüler, die aus anderen Kulturen kommen, zu ihren Erfahrungen in Deutschland bzw. Frankreich.

Themen der Atelierarbeit in Montpellier
(Grundlage der Arbeit ist das Jugendbuch von Azouz Begag «La force du berger»)

Vergleich des Originaltitels mit dem Titel der deutschen Übersetzung «Aber die Erde ist rund»
Perspektiven beider Titel

Schreiben des deutschen Verlages Beltz und Gelberg zur Begründung der Titelwahl
Entwicklung und Illustration eines alternativen Titels

Die Entwicklung eines naturwissenschaftlichen Weltbildes (unter Beteiligung des französischen Physiklehrers
aus verschiedenen deutsch- und französischsprachigen Aufsätzen wird die Entwicklung des Weltbildes erarbeitet (Ptolemäus, Kopernikus, Kepler, Galilei).

Schreiben einer Fortsetzung des Buches
wie sieht das Verhältnis zwischen Vater und Sohn 10 Jahre später aus ?

Grundlegende Elemente der islamischen Religion
5 Säulen des islamischen Glaubens
traditionelle Entwicklung
Wertvorstellungen

Dokumentation der Schülerbegegnung
Video
Wandzeitung

In jeder Ateliergruppe arbeiteten deutsche und französischen Schüler gemeinsam an dem jeweiligen Thema. Die Präsentation der Arbeitsergebnisse erfolgte in beiden Sprachen. Zur Präsentation war die Schulöffentlichkeit eingeladen.

Diese Form des Schüleraustausches, die in einem hessischen Pilotprojekt unter der Bezeichnung «Jugendliteratur im Austausch - lectures croisées» erprobt wurde, eröffnet den Schülern Möglichkeiten eines interkulturellen Lernens, das dazu führen kann, Wertvorstellungen, die den kollektiven Wahrnehmungsmustern und Verhaltensweisen zugrundeliegen, zu erkennen und zu realisieren.
Die Notwendigkeit eines solchen Lernens ergibt sich in unserer Zeit von selbst.

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