Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

Inhaltsverzeichnis

E i n l e i t u n g

Die vom Deutsch-Französischen Jugendwerk unterstützten pädagogischen Untersuchungen, experimentellen Programme und Forschungsarbeiten gehorchen oft widersprüchlichen Anforderungen.

Einerseits wird von den Ausbildern und Forschern verlangt, ihre Arbeiten an den verschiedenen Tätigkeitsbereichen des DFJW auszurichten und somit an der Austauschpraxis seiner Partnerorganisationen sowohl auf bilateraler Basis als auch in den anderen, daran beteiligten europäischen Ländern.

Andererseits lässt sich feststellen:

1. Jedes einzelne der hauptsächlichsten Tätigkeitsfelder des Jugendwerks weist seine Besonderheiten auf in seiner Eigenschaft:

  • - als bedeutender nationaler Bereich mit Zielen zur Erfüllung wichtiger Aufgaben in jedem der beiden Länder.

  • - als bedeutender nationaler Bereich mit seinen Unterteilungen in mehr oder weniger spezifische Sektoren, deren Ziele - obwohl national geprägt - recht unterschiedlich sein können.
    So teilt sich das besonders wichtige Tätigkeitsfeld, das "Schulwesen" in Deutschland mit den sich aus der Hoheit der Länder bereits ergebenden Unterschieden in mehrere Sachgebiete auf (Haupt- und Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Fachschulen, Universität, berufliche Bildung usw.), jedes mit seinen speziellen Einrichtungen, öffentlichen und privaten Trägern, usw.

  • - aber auch als bedeutender nationaler Bereich im Beziehungsgeflecht institutioneller deutsch-französischer Verständigung und Zusammenarbeit mit den entsprechenden Organisationen im anderen Land.
    Aus binationaler und bikultureller Sicht gründet sich jede der so geschaffenen deutsch-französischen Instanzen immer auf eine unterschiedlich gelagerte Mischung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten, wobei diese Mischung ihre Besonderheiten ausmacht.
    So können z.B. die beiden deutsch-französischen Instanzen "Deutsche Sportjugend/Comité National Olympique et Sportif Français" und "Deutscher Bundesjugendring (DBJR)/Comité National des Associations de Jeunesse et d'Education Populaire (CNAJEP)" nicht miteinander gleichgesetzt werden.

2. Pädagogische Untersuchungen, experimentelle Programme und Forschungsarbeiten mit der Aufgabe, Aufschluss zu gewinnen über die Beziehungen und die Kommunikation zwischen Personen und Gruppen, die unterschiedlichen Kulturen angehören, sowohl das "Nebeneinander-" als auch das "Zusammenleben" zu beleuchten und zu verstehen, können sich nicht von vorne herein und zu allererst damit begnügen, unmittelbare Antworten auf jene Erwartungen, Bedürfnisse und Erfordernisse zu liefern, die sich in den jeweiligen Besonderheiten nationaler Bereiche und ihrer einzelnen Sektoren ansiedeln - und sei es nur, (und das ist universal!) weil in diesen Bereichen u.a. schon seit langem all das besonders "gepflegt", hervorgehoben, aufgewertet und ggf. verteidigt wird, was von den Bewohnern eines Landes als Bestandteile einer mononationalen und monokulturellen Gesellschaft verstanden werden sollte.

3. Ausbilder und Wissenschaftler, die mit dem Jugendwerk zusammenarbeiten, sind daran gehalten, bei der Verwirklichung ihrer Untersuchungen, der experimentellen Programme sowie in ihren Forschungsarbeiten die besonderen Voraussetzungen in jedem der einzelnen Länder zu berücksichtigen. Gleichzeitig müssen sie aber auch versuchen, diese Bedingungen in Beziehung zu setzen mit dem Kontext multinationaler und multikultureller Situationen, zu deren Entstehen die 25-jährige Arbeit des Jugendwerks u.a. beigetragen hat. Vom Wesen ihrer Arbeit her - und im Vergleich zu den in den einzelnen Ländern bestehenden Verhältnissen - finden sich die an diesen Arbeiten beteiligten Ausbilder und Wissenschaftler häufig in der Stellung eines "aussenstehenden" Betrachters wieder. Daraus ergibt sich eine Arbeit der Erkundung und des Entdeckens von relativ neuen Realitäten, die sich im internationalen und interkulturellen "Zusammenleben" ergeben mit Beziehungen und Kommunikationsbedingungen zwischen Personen und Gruppen, deren Gegebenheiten nicht unbedingt mit den Bedingungen meines/unseres Alltaglebens "bei mir/uns zu Haus" bzw. "unter uns" übereinstimmen.

All dies macht deutlich, weshalb es - seit ihrer Einrichtung im Jugendwerk im Jahre 1975 - Aufgabe der experimentellen und forschungsorientierten Programme ist, u.a. vorübergehende oder andauernde, in sich selbst widersprüchliche Ansprüche miteinander zu vereinbaren:

  • - zwischen denjenigen, die ihren Ausgangspunkt in den jeweiligen nationalen oder sektorenbedingten Besonderheiten nehmen und sich darin ausdrücken;

  • - und denjenigen, die aus den Zielsetzungen einer binationalen und bikulturellen Institution hervorgehen, welche, obwohl es Ähnlichkeiten mit den Aufgaben der nationalen Institutionen der Erziehung und Bildung in den beiden Ländern gibt, sich davon aber gleichzeitig unterscheiden.

Das Miteinandervereinbaren der hieraus resultierenden Widersprüche stellt eine Arbeit dar, die erst durch eine fortdauernde und durchgängige Politik experimenteller und forschungsorientierter Aus- und Fortbildung ermöglicht wurde und mit der an sie gestellten Auflage, daran Jugendliche, Gruppenleiter, Lehrer, Ausbilder und Wissenschaftlerin konkreten bi- und multinationalen Situationen zu beteiligen, die als mehrjährige Begegnungsreihen angelegt sind.

Gestützt auf die Wechselwirkung zwischen Theoriebildung und Praxis der einen oder der anderen, entsteht somit in den pädagogischen Untersuchungen, in den experimentellen Programmen und Forschungsarbeiten im Bereich des Austauschseine Verbindung zwischen nationalen bzw. sektorenbedingten Praktiken einerseits und andererseits mit einer neu geschaffenen - sich immer wieder erneuernden - Situation deutsch-französischer, internationaler und interkultureller Begegnung, die über eine mehr oder länger währende Dauer von den Beteiligten gemeinsam gestaltet und gelebt werden kann.

So gesehen, gewinnt eine solche Situation ihre Bedeutung erst daraus, wenn sie sowohl im Kontext der jeweiligen historischen, ökonomischen, gesellschaftlichen, politischen Gegebenheiten usw. eines Landes als auch im Zusammenhang mit der Geschichte und der Aktualität des europäischen und weltweiten Geschehens analysiert und verstanden werden kann.

Die internationale und interkulturelle Dynamik, die sich in den experimentellen und forschungsorientierten Programmen entwickelt, versetzt die Beteiligten häufig in die Position - von der wir schon gesprochen haben - eines Betrachters, der im Verhältnis zu den nationalen bzw. sektoreninhärenten Besonderheiten Abstand nehmen muss. Daraus ergibt sich, dass diese Arbeiten sehr oft als Störfaktor für das BESTEHENDE, für das uns - in unserem Land - Vertraute in allen Bereichen unseres Zusammenlebens wirken: gesellschaftlich, kulturell, politisch usw. Sie bleiben deshalb häufig unverständlich und sehen sich von daher ganz leicht Reaktionen ausgesetzt, die zu bestimmten Zeitpunkten der Entwicklung in Misstrauen, Feindseligkeit und Ablehnung umschlagen können. Jedes Mal, wenn auf der Ebene von Personen, Gruppen oder Gesellschaften materielle oder immaterielle Grenzen - sei es für eine Öffnung, ihre Veränderung oder gar ihr Verschwinden - in Bewegung gesetzt werden, lassen sich solche Reaktionen - stärker oder schwächer - innerhalb mehr oder weniger grosser Bevölkerungsgruppen ausmachen.

Im Spannungsverhältnis der Widersprüche - und dies trifft für jegliche INTERnationale und INTERkulturelle Arbeit zu - handelt es sich aber nicht nur um Spannungen, die zu Konflikten führen können. Die Erkenntnisse, die sich aus den experimentellen und forschungsorientierten Programmen ziehen lassen, geben uns zu verstehen, dass diese Widersprüche auch aufgefasst werden können als etwas, was mit "Einheit der Gegensätze" bezeichnet werden kann. Diese ist Bestandteil des Lebens und reguliert immer wieder ein sich ständig veränderndes Gleichgewicht zwischen interagierenden Kräften:

  • - jenen der Diversifizierung (Spezialitäten, Einzigartigkeiten, Spezifitäten, Heterogenitäten, Besonderheiten, Ungleichmässigkeiten, Originalitäten, Ungleichheiten, Trennungen, Unterschiede, Individualitäten, Andersartigkeiten, usw.)

    und

  • - jenen der Vereinheitlichung (Verallgemeinerungen, Gesamtheiten, Globalitäten, Homogenitäten, Universalitäten, Konformitäten, Uniformitäten, Gleichheiten, Harmonien, Gemeinsamkeiten, Identitäten, Gemeinschaften usw.)

Die Herstellung einer solchen "Einheit" ist u.a. Grundlage jeglichen demokratischen Zusammenlebens. Aus der Sicht internationaler und interkultureller Beziehungen und Kommunikation bedarf es deshalb viel Aufmerksamkeit, Geduld und Vorsicht, wenn es darum geht, jene Bedingungen zu schaffen, die einem Versuch "der Überwindung der (hier nur zu kurz angesprochenen) Widersprüche", gerecht werden können, damit sich dieser Versuch nicht gegen diejenigen Ideale und Werte selbst wendet, worauf sich z.B. die Bemühungen hin zum Aufbau Europas stützen.

Gleichzeitig vertraut und fremd zu sein, sind die Merkmale experimenteller Programme und Forschungsarbeiten angewandt auf den Bereich internationaler/interkultureller Beziehungen und Kommunikation. Vergleichbar mit bestimmtem künstlerischen Schaffen oder mit anderen wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigen sich diese Arbeiten mit einem Investigationsfeld, das sich sowohl innerhalb als auch gleichzeitig ausserhalb unseres Alltags bewegt mit seinen Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten. Aus diesem Grunde tragen sie auch in den so umrissenen Horizont -stärker oder schwächer - einen gewissen Anteil an Befremdung hinein. Diese Fremdheit wird ihrerseits begleitet von Unterschieden, die von den beteiligten Personen mehr oder weniger intensiv gelebt werden, mit Aufgeschlossenheit und/oder Unbehagen.

Internationale Erfahrungen zu kurzer Dauer, die an der Oberfläche stecken bleiben oder in einem Kontext ablaufen, dem durch vielfältige Schutzvorkehrungen - u.a. institutioneller oder diplomatischer Art - Grenzen gesetzt werden, ragen leicht dazu bei, "den Schock zwischen den Kulturen" und die damit einher gehenden Auswirkungen zu vernachlässigen, zu vermeiden oder gar zu ignorieren, denen sich allerdings Personen, Gruppen und Bevölkerungen ausgesetzt sehen, die sich existentiell und über eine lange Dauer auf das internationale und interkulturelle "Zusammenleben" eingelassen haben oder einlassen mussten.

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Der nachfolgende Text mit dem Titel "Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW" ist von seinem Kuratorium anlässlich seiner 61. Sitzung im Mai 1987 in Paris verabschiedet worden. Er war in seiner Integralität dem Orientierungsberichtes des Generalsekretärs beigefügt.

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die forschungsorientierten Aus- und Fortbildungsprogramme und stellt den Versuch einer Zusammenfassung der verschiedenen Fragestellungen und Schlussfolgerungen dar, die sich aus den Arbeiten der daran beteiligten Ausbilder und Wissenschaftler ergeben bzw. daraus ziehen lassen.

Nachstehend folgen zunächst einige Auszüge aus dem bereits genannten Orientierungsbericht, in dem der Generalsekretär - global formuliert - einige Schlussfolgerungen aufgreift.

Es gibt keinen Automatismus hinsichtlich der Auswirkungen der Begegnungen auf Personen und Gruppen sowie auf die deutsch-französischen Beziehungen. Es ist eine Illusion, anzunehmen, daß Jugendliche aus beiden Ländern nur zusammenkommen müßten, um schon im Sinne der Ziele des Jugendwerks liegende Prozesse zu erleben. Dies gilt um so mehr für den deutsch-französischen Austausch, als die Ziele des Jugendwerks sehr anspruchsvoll sind.

Hier sei nur an die Formulierung in den Richtlinien in Zusammenhang mit den Programmtypen erinnert, wo von einem Prozess gesprochen wird,

"der vom ersten Kennenlernen der deutschen und französischen Wirklichkeit bis zur Befähigung zu bi- und multinationaler Zusammenarbeit und zur Entwicklung von gemeinsamen neuen Lebensformen führt"

oder an die Ausführungen im Rahmen der "Grundsätze":

"Gegenseitiges Kennenlernen, Verständigung, Solidarität und Zusammenarbeit sind die ständigen Ziele des Jugendwerks".

Das Kuratorium sollte erneut Antizipation und Innovation in den Bereichen der Kultur und Politik als Dimension der Arbeit des DFJW und des von ihm geförderten Austauschs betonen und auch darauf dringen, daß die Rahmenbedingungen dafür verbessert werden. Die forschungsorientierten Arbeiten stellen eines der wichtigen Mittel dar, auf die in dieser Perspektive zurückgegriffen werden sollte.

Diese Untersuchungen legen z. B. nahe, die Rahmenbedingungen, unter denen sich die Kurzzeitbegegnungen abspielen, erneut zu diskutieren.

Es ist nämlich zunehmend deutlich geworden, daß eine wirkliche Arbeit in Richtung auf die Ziele des Jugendwerks einen längeren Prozess des Kennenlernens und des Verstehens in bezug auf den Anderen (das andere Land, die andere Gesellschaft usw.) aber auch gleichzeitig in bezug auf die eigene Kultur und die eigene Person beinhaltet. Dieser Prozess kann nicht durch eine einmalige Teilnahme z. B. an einem 8-14-tägigen Begegnungsprogramm zu Ende geführt werden.

Das Kuratorium sollte mit größerem Nachdruck auf die Verwirklichung von solchen Formen der Begegnung drängen, die sich als Bestandteil eines längerfristigen Prozesses verstehen und sich dementsprechend auf Ziele richten, die über mehrere, aufeinander folgende Etappen zu verwirklichen sind.

Eine stärkere Bedeutung ist - im Vergleich zu dem, was in diesem Bereich bereits geschieht - der Qualifikation der Leitungsteams und der für die Programme Verantwortlichen beizumessen. Vor allem die institutionell Verantwortlichen setzen in Ausübung ihrer Funktion oft Rahmenbedingungen, die einen erheblichen Einfluß auf Programmabläufe haben mit unmittelbaren pädagogischen Konsequenzen in bezug auf die bi- oder multinationalen Situationen, in denen sich die einzelnen Teilnehmer und die Gruppen befinden.

Die Kenntnisse und die Praxis, die üblicherweise eine "gute" Arbeit als Veranstalter oder Gruppenleiter im nationalen Kontext ermöglichen, haben sich als unzulänglich und teilweise ungeeignet für die Zusammenarbeit und das Zusammenleben mit Angehörigen einer anderen Kultur erwiesen.

Man hat vermutlich zu Beginn der Existenz des Jugendwerks zu wenig durchschaut, wie viele Wertentscheidungen unserer beiden Gesellschaften und Kulturen, auf denen die jeweiligen Erziehungs-, Sozialisations- und auch Bildungskonzepte beruhen, in den Zielen und Methoden der Arbeit mit Jugendlichen im nationalen Rahmen enthalten sind; dies wurde erst nach und nach deutlich mit der Folge, daß sich eine speziell auf das internationale und interkulturelle Lernen und auf die damit für die Teilnehmer in den deutsch-französischen Gruppen zusammenhängenden neuen Situationen ausgerichtete Ausbildung als erforderlich erwies, wobei im Laufe der Zeit auch die dabei zu erwerbenden Kenntnisse und Verhaltensfähigkeiten immer genauer erkannt und angegeben werden konnten.

Das Kuratorium sollte die Veranstalter auffordern, weiterhin und womöglich noch verstärkt einen wichtigen Bereich ihrer Aktivitäten in der Qualifizierung ihrer institutionell und pädagogischen Verantwortlichen zu sehen.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß das Jugendwerk seit 1977 regelmäßig einen Prospekt mit Aus- und Fortbildungsprogrammen solcher Veranstalter herausgibt, die sich bereit erklärt haben, diese offen anzubieten, so daß auch Gruppenleiter, Animateure, Lehrer und sonstige Verantwortliche von Programmen, die Gruppierungen angehören, die selbst keine Aus- bzw. Fortbildungsprogramme anbieten, daran teilnehmen können.

Es wird gelegentlich behauptet, im Grunde habe das Jugendwerk sein Ziel bereits erfüllt, da die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und vor allen Dingen zwischen der Jugend doch außerordentlich positiv verliefen, wie nicht zuletzt Meinungsumfragen immer wieder belegen.

Die direkte Beobachtung von Programmen, bzw. die Erfahrungen vor Ort legen indessen nahe, diese Feststellung zumindest einer genaueren Überprüfung zu unterziehen. So könnte man der obigen Behauptung zwar zustimmen, je stärker die Programme ferien-, freizeit- und touristisch orientiert sind, und je mehr die Veranstalter von vorne herein das Notwendige unternehmen, um jene Irritationen, Spannungen, Reibungen oder Konflikte, die immer auch Bestandteil menschlicher Beziehungen sind, nicht hervortreten zulassen.

Je mehr aber inhaltlich gearbeitet wird, und je mehr man sich dabei solchen Themen nähert, die mit dem wirklichen Leben in unseren beiden Ländern und mit etwas zu tun haben, was in den deutsch-französischen Beziehungen auf dem Spiel steht und was hier nur beispielhaft unter Nennung der Themen Atomkraft, Friedenspolitik oder Ökologie angedeutet werden soll, je mehr man sich darüber hinaus in den Begegnungen und in bezug auf die pädagogische Praxis mit der Rolle der Leitungsteams, mit Entscheidungsprozessen, mit den Funktionsweisen von Gruppen und Untergruppen, dem Respektieren von Unterschieden, dem Gleichgewicht zwischen kognitivem und affektivem Lernen, der Bedeutung pädagogischer Methoden, dem Stellenwert der Politik im Austausch usw. auseinandersetzt, desto mehr muß die obige Behauptung in Frage gestellt werden.

In jenen Programmen, die erlauben, eine tiefergehende Erfahrung auf dem Gebiet der deutsch-französischen Beziehungen und Kommunikation zu machen, kann es dazu kommen, daß in Diskussionen plötzlich Gräben wieder aufreißen, die man schon lange zugeschüttet glaubte und dies auf eine Weise, daß es nicht immer möglich ist, Unterschiede zwischen den jungen Generationen und ihren Vorfahren festzustellen.

Um hier im Sinne einer besseren gegenseitigen Verständigung tätig zu werden, sollten die Veranstalter deutsch-französischer Programme ermuntert werden, auch verstärkt aktuelle Themen aufzugreifen und sich das für eine qualifizierte Behandlung dieser Themen notwendige Hintergrundwissen zu beschaffen, was erneut auf die Wichtigkeit von Aus- und Fortbildung verweist.

Man kann die oben erwähnten Kontinuitäten in Bezug auf gewisse problematische Aspekte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern nicht außer acht lassen. Diese Schwierigkeiten, die unsere Beziehungen beeinträchtigen können, werden eine um so geringeren Stellenwert bekommen, je weniger sich die Leitungsteams darauf beschränken, lediglich akademische Diskussionen, die niemanden wirklich einbinden, zu unterstützen und je mehr sie statt dessen solche Lebens- und Arbeitssituationen schaffen, die nicht nur kurzlebig und ohne Perspektive sind, sondern im Gegenteil auf eine langfristige Kooperation hin angelegt und ihr nützlich sind. Dieser Ansatz, der neu zu erwerbende Fähigkeiten voraussetzt und die Zukunft mit einbezieht, sollte nicht allein den Jugendlichen anvertraut werden. Aus diesem Grunde schlägt der Generalsekretär unter anderem vor, die Konsequenzen der heutigen Abgrenzung zwischen den Generationen im deutsch-französischen Austausch zu überprüfen, einer Abgrenzung, die gegenwärtig den Jugendlichen eine Verantwortung auferlegt, die sie eigentlich nur mit Unterstützung und Beteiligung von Erwachsenen tragen könnten.

Es ist wichtig, die forschungsorientierten Arbeiten fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Der Generalsekretär beabsichtigt, verstärkt die Arbeiten über die Pädagogik der internationalen und interkulturellen Beziehungen mit solchen in die Zukunft weisenden Untersuchungen zu verbinden, wie sie von Fachleuten der neuen Technologien, der Wirtschaft, der Kultur und der Politik angestellt werden, die es als notwendig ansehen, die Grenzen ihres Fachgebietes zu überschreiten, um den "menschlichen Faktor" zu berücksichtigen. Dies soll aus dem Blickwinkel von internationalen und interkulturellen Beziehungen, Kommunikation, Kooperation und Solidarität heraus geschehen mit dem Schwerpunkt auf deutsch-französischem Austausch, der die Aufgabe des DFJW darstellt.

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