Viele der vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) angebotenen und geförderten Begegnungen bringen Teilnehmende aus Deutschland, Frankreich und Drittländern zusammen, um den interkulturellen Lerneffekt zu verstärken und das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen in Europa und seinen Nachbarländern zu fördern.

Inhalt und Aufbau trilateraler Projekte

Zielgruppen trilateraler Projekte

Trilaterale Begegnungen sind für alle Zielgruppen der vom DFJW geförderten Projekte relevant. Diese umfassen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 3 und 30 Jahren. Die Begegnungen können im schulischen sowie außerschulischen Bereich stattfinden und sich speziell an Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende sowie an junge Berufstätige, Führungskräfte und Arbeitssuchende richten.

Wie ist ein trilaterales Projekt aufgebaut?

Damit eine trilaterale Begegnung für eine Förderung in Frage kommt, sollten Sie bei der Konzeption und Planung einige Rahmenvorgaben bezüglich des Aufbaus Ihres Projektes beachten:

  • 3 Begegnungsphasen, eine je Land (Prinzip der Gegenseitigkeit/Reziprozität),
  • Projektdauer von 1-3 Jahren,
  • Begegnungsdauer von 4-21 Tagen,
  • maximal 50 Teilnehmende inkl. Betreuende,
  • die Teilnehmerzahl zwischen den 3 Ländern muss ausgewogen sein,
  • gleichberechtigte Partnerschaft und Konzeption durch die beteiligten Organisationen aller 3 Länder,
  • Präsenz aller drei Sprachen im Austausch.

Welche Inhalte sind für ein trilaterales Projekt wichtig?

Auch inhaltlich und methodisch sind einige Kriterien zu beachten, die für die Förderfähigkeit, aber auch für den Erfolg eines trilateralen Projektes eine maßgebliche Rolle spielen.

Trilaterale Programme müssen einen Projektcharakter haben und einen thematischen Schwerpunkt verfolgen. Es sollen aktuelle gesellschafts-, geo- und/oder außenpolitisch relevante Themen angesprochen werden wie:

 

  • Zukunft und Geschichte Europas,
  • Demokratie und Menschenrechte,
  • politische Bildung und Partizipation der Jugend,
  • berufliche Bildung.

 

Dabei soll immer auch der Mehrwert einer deutsch-französischen Perspektive auf die bearbeiteten Themen herausgestellt werden. Die Erfahrungen aus der deutsch-französischen Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und deren Versöhnung sollen geteilt und als Inspiration an Dritte weitergegeben werden.

Des Weiteren sollten spezifische Methoden zum interkulturellen Lernen, zur politischen Bildung und zur Friedenspädagogik verwendet werden. Kulturpädagogische Methoden können ebenfalls zur Vermittlung der politischen Themenschwerpunkte mithilfe von Kulturpraktiken herangezogen werden.

Weitere wichtige Elemente, die berücksichtigt werden sollten, sind:

 

  • Vorbereitungsphasen und Evaluation zur Qualitätssicherung,
  • aktive Beteiligung von Jugendlichen in der Konzeption und Durchführung der Begegnung,
  • Einbeziehung und Teilnahme von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf,
  • Sprachanimation, um allen drei Sprachen einen Platz einzuräumen.

 

Welche Drittländer und bzw. Regionen sind vorrangig?

Die Förderung trilateraler Projekte konzentriert sich auf den Großraum Europa, seine östlichen Nachbarländer sowie auf den Mittelmeerraum. Die Antragsstellung kann für Länder der folgenden Regionen erfolgen:

-         Mittel- und Osteuropa,

-         Südosteuropa,

-         Länder der Östlichen Partnerschaft,

-         südlicher und östlicher Mittelmeerraum,

-         europäische Länder in Krisensituationen.

Die Förderung über drei Teilnehmerländer hinaus ist im DFJW nur in inhaltlich und thematisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Ein Beispiel hierfür ist die Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit zwischen zwei Ländern, bei der die deutsch-französische Aussöhnung als Inspiration genutzt werden kann. Derartige regionale Kooperationen, bei denen in quadrinationalen Begegnungen Themen wie Geschichte und Erinnerungsarbeit, Versöhnung, Identität und Integration bearbeitet werden, sind beispielweise: Türkei/Armenien, Türkei/Zypern, Ungarn/Slowakei, Kosovo*/Serbien, Kroatien/Serbien, Algerien/Marokko, Israel/Palästinensische Gebiete.

* Diese Bezeichnung berührt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244 des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovos.

Fördermöglichkeiten für trilaterale Projekte

Antragsstellung für eine DFJW-Förderung

Ein Antrag auf DFJW-Förderung für trilaterale Projekte kann über das entsprechende Formular direkt bei dem zuständigen Referat beim DFJW eingereicht werden.

Förderung über die Sonderfonds

Dem DFJW werden vom Auswärtigen Amt und dem Ministère de l’Europe et des Affaires étrangères zusätzliche Mittel zur Förderung trilateraler Projekte zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieser Sonderfonds können Projekte mit Ländern Mittelosteuropas (MOE) und Südosteuropas (SOE) gefördert werden.

Die geförderten Projekte zeichnen sich durch einen innovativen Pilotcharakter aus und haben einen starken außenpolitischen Bezug, der auf die festgelegten Schwerpunktthemen eingeht.

Eine Förderung über den jeweiligen Sonderfonds gibt mehr Planungssicherheit, da die Projekte auf jeden Fall mit den vollen Sätzen des DFJW gefördert werden können, und verschafft dem Projekt eine starke (politische) Sichtbarkeit.

Die Bewerbung zum Sonderfonds findet zu einem festen Zeitpunkt im Vorjahr statt, welcher je nach Region der Antragstellung wechselt und auf der Seite der jeweiligen Region eingesehen werden kann.

Die europäische und internationale Ausrichtung des DFJW

Seit seiner Gründung im Jahr 1963 steht die Förderung des Austauschs zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich im Mittelpunkt der Arbeit des DFJW. Ziel ist es, zu einem besseren gegenseitigen Verstehen beizutragen und die Entscheidungsträgerinnen und -träger von morgen dabei zu unterstützen, sich so früh wie möglich aktiv in die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens einzubringen. Die Unterstützung der europäischen Idee durch Förderung von Projekten mit (gesellschafts-)politischen Thematiken ist dabei eine der wichtigsten Prioritäten des DFJW.

Chronologie

Bereits die Gründungstexte aus dem Jahr 1963 stellen die Aufgabe des DFJW in einen europäischen und internationalen Zusammenhang. Die schrittweise Öffnung der Programme für Drittländer seit den siebziger Jahren bietet den Teilnehmenden die Gelegenheit, sich über die Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft hinaus in einem internationalen und interkulturellen Kontext zu bewegen und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.

  • 1971   Erste Erwähnung der trilateralen Programme in den Richtlinien
  • 1976   Förderung von Projekten mit Ländern der Europäischen Gemeinschaft
  • 1979   Erweiterung der Förderung auf Projekte mit Nicht-EU-Ländern
  • 1991   Öffnung der Programme für die Region Mittelosteuropa (MOE) und Förderung von Projekten mit dem Mittelmeerraum (insbesondere den Maghreb-Staaten)
  • 2000   Öffnung der Programme für die Region Südosteuropa (SOE)
  • 2014   Öffnung der Programme für die Länder der Östlichen Partnerschaft, Betonung der Förderung des Mittelmeerraums/Maghreb und europäischen Ländern in Krisensituationen

Ziele

Die wichtigste Zielsetzung der trilateralen Arbeit des DFJW ist die Vorbereitung der jungen Generation auf die Zusammenarbeit mit europäischen und Nachbarländern. Angesichts der deutsch-französischen Rolle in der EU ist es besonders wichtig, die europäischen Entscheidungsträger von morgen auf ihre Aufgaben vorzubereiten.

Während der trilateralen Jugendbegegnungen erwerben die Teilnehmenden Schlüsselkompetenzen für die europäische und internationale Zusammenarbeit. Dabei stehen vor allem der interkulturelle Dialog, das gegenseitige Verstehen und Voneinander-Lernen im Vordergrund.

Die Austauschprogramme vermitteln europäische Werte wie Demokratie, Solidarität und Toleranz und stärken so die Zivilgesellschaft und das bürgerschaftliche Engagement. Durch den Fokus auf politische Bildung und Krisenprävention lernen die Teilnehmenden, sich selbst als Akteurinnen und Akteure der europäischen Integration und des friedvollen Dialogs zwischen Nationen und Kulturen wahrzunehmen.

Durch das Heranziehen der deutsch-französischen Versöhnung und der Erfahrungen in der europäischen bzw. internationalen Zusammenarbeit können sie so auch aktiv die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte vorantreiben. Denn auch die unterschiedliche Wahrnehmung der gemeinsamen Vergangenheit stellt ein wichtiges Moment für Verständigung und friedliches Zusammenleben dar. 

Vorteile trilateraler Begegnungen

Trilaterale Begegnungen weisen einen besonderen interkulturellen Mehrwert auf: Indem sie Teilnehmende aus drei verschiedenen Ländern zusammenbringen, bieten sie einen Rahmen für gelebte Pluralität und den Austausch verschiedener Perspektiven und Meinungen, der über eine Gegenüberstellung der deutschen und der französischen Kultur hinausgeht. Daraus ergeben sich weitere Vorteile für die Teilnehmenden hinsichtlich des Spracherwerbs und der interkulturellen Sensibilisierung.

Sprachlicher Nutzen

Bei einer trilateralen Begegnung wird die Sprache als Mittel der Kommunikation zwischen Nationen erkannt und aktiv verwendet, auch wenn gerade keine Muttersprachlerinnen oder -sprachler zugegen sind. Die Teilnehmenden erkennen den Mehrwert des gemeinsamen Lernens und können sich über ihre Fortschritte in der Fremdsprache bewusstwerden. Die Angst davor, Fehler in der Fremdsprache zu machen, schwindet und alle Teilnehmenden werden sprachlich gefördert.

Interkultureller Nutzen

Die Sensibilität für die eigene Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der differenzierte Blick auf Stereotype und Vorurteile lassen sich mit Beteiligten aus drei Ländern leichter erlernen. Es ist empirisch nachgewiesen, dass die Anwesenheit von Jugendlichen aus einem Drittland durch eine Triangulation die Wirkung der Austauschmaßnahme verstärkt und darin unterstützt, auf die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaften einzugehen. So erfolgt eine Sensibilisierung für die Sichtweisen der Nachbarn und anderer europäischer Länder.

Die Beteiligung von Drittlandpartnern – besonders aus Nicht-EU-Staaten – erlaubt es jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich, den Alltag, die Erwartungen, die Sichtweisen und die Wahrnehmung junger Leute kennenzulernen, die teils „von außen“ auf Europa blicken. Diese neue Perspektive führt zur erneuten Reflektion über Europa. Sie lernen umgekehrt ihre Gemeinsamkeiten besser kennen und begreifen, wie nah sie sich trotz aller Unterschiede sind. Gemeinsam erkennen sie die Verantwortung ihrer Länder für Europa oder auch globale Fragen.

Europäische Zusammenarbeit und Vision

Tri- und multilaterale Begegnungen oder Seminare fördern ein gemeinsames Lernen über Europa und eine Weiterentwicklung des europäischen Projekts aus der Perspektive junger europäischer Bürgerinnen und Bürger. Die europäische Idee und Demokratie werden greifbar. Den Jugendlichen aus Drittländern ermöglichen die Begegnungen auch, Deutschland, Frankreich und die Europäische Union besser kennenzulernen.

Dabei unterstützt das DFJW eine „Pädagogik des Unterschiedes“. Dies bedeutet, dass erst durch das Verstehen der Unterschiede zwischen Kulturen ein wirklicher und tragfähiger Respekt füreinander entwickelt werden kann, der Grundlagen für einen nachhaltigen Dialog bildet.

Zivilgesellschaftlicher und friedenspädagogischer Nutzen

Der Perspektivenwechsel, der durch die Pluralität der Beteiligten und ihrer Weltanschauungen erfolgt, schärft den kritischen Blick der jungen Teilnehmenden – auf eventuelle eigene vorgefertigte Meinungen sowie auf soziale und politische Geschehnisse, die nun in einen anderen größeren Zusammenhang gesetzt werden können. Durch den intensiven Austausch wird ein Beitrag zur Verständigung zwischen Menschen verschiedener Länder geleistet. Dies dient nicht nur der Krisenprävention und der Mediation zur Unterstützung der Identifikation mit der europäischen Idee, sondern führt den Teilnehmenden auch vor Augen, wie greifbar und umsetzbar ein gemeinsames grenzüberschreitendes Engagement für geteilte Werte und Ziele ist.

Geschichtlicher Nutzen

Der Austausch mit jungen Menschen aus anderen Ländern und die gemeinsame Bearbeitung historischer Themen ermöglichen die Überwindung einer rein nationalen Geschichtsschreibung und -interpretation hin zu einer multiperspektivischen Auseinandersetzung mit Geschichte. Diese erleichtert die Aufarbeitung historischer Geschehnisse und fördert das gegenseitige Verständnis über den deutsch-französischen Zusammenhang hinaus. Die deutsch-französische Versöhnungsgeschichte kann dabei auch beispielhaft wirken und als Grundlage zur Lösung aktueller Konfliktsituationen dienen.

Besonders in trilateralen Begegnungen mit Teilnehmenden aus Mittelosteuropa werden die französischen Teilnehmenden für die lokale Geschichte, die oft deutsche Bezüge aufweist, sowie für die Kultur und die Situation in Mittelosteuropa sensibilisiert. Diese spielen in ihren Medien oder auch im direkten Alltagskontakt oft weniger eine Rolle als in Deutschland. Im Gegenzug werden junge Menschen aus Deutschland durch Programme mit der Region Maghreb für die dortigen Zusammenhänge und Themen sensibilisiert, da diese oftmals eher von Frankreich geprägt wurden. Historisch geprägte Sichtweisen und Kontakte zu Ländern aufgrund der nationalen Herkunft werden um zusätzliche Aspekte erweitert.