

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW)
Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) ist eine Organisation im Dienst der deutsch-französischen Zusammenarbeit.
1. Geschichte
Den Grundstein für den Aufbau des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) legten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle mit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages am 22. Januar 1963. In einem zwischenstaatlichen Abkommen wurde dann am 5. Juli des gleichen Jahres die Gründung einer Organisation „zur Förderung der Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Jugend“ vereinbart.
Artikel 2 (1) des Gründungsabkommens schreibt fest: „Das Jugendwerk hat die Aufgabe, die Bande zwischen der Jugend der beiden Länder enger zu gestalten und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen; es hat hierzu die Jugendbegegnung und den Jugendaustausch anzuregen, zu fördern und gegebenenfalls selbst durchzuführen.“
2. Organisation
Das DFJW ist eine unabhängige internationale Organisation, an deren Spitze ein Verwaltungsrat steht. Den Vorsitz haben die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, und die französische Ministerin für Sport, Jugend, Erwachsenenbildung und Vereinswesen, Valérie Fourneyron.
Dem Verwaltungsrat steht ein Beirat zur Seite, der Stellungnahmen und Empfehlungen hinsichtlich der Zielsetzungen und der Programme des DFJW erarbeitet.
Ausführendes Organ des Verwaltungsrats ist das Generalsekretariat, an dessen Spitze ein deutsch-französisches Tandem steht: Béatrice Angrand, die das Jugendwerk seit 2009 leitet und Dr. Markus Ingenlath, der sein Mandat im Januar 2012 angetreten hat.
Die 70 Bediensteten des Jugendwerks arbeiten in binational besetzten Referaten an den beiden Standorten Paris, dem Sitz des DFJW, und Berlin.
3. Zahlen*
Das DFJW verfügt im Jahr 2012 über einen Haushalt von 20,8 Millionen Euro, der sich aus gleichen Beiträgen der deutschen und französischen Regierung zusammensetzt. Zusätzlich erhält es Mittel aus Sonderfonds, die von den beiden Außenministerien insbesondere für den Austausch mit den mittel- und osteuropäischen Ländern und den südosteuropäischen Ländern bewilligt wurden. Darüber hinaus sind Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für Programme zugunsten junger Arbeitsloser bestimmt.
2012 wurden dem DFJW Zuschüsse in unveränderter Höhe zugesprochen – ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Nichtsdestotrotz reichen diese Mittel nicht aus, um die Breite an Anfragen an das DFJW zu befriedigen. Wie nie zuvor wollen Jugendliche an deutsch-französischen Begegnungen teilnehmen und das DFJW ist Opfer seines Erfolgs, da es 2011 für die zu unterstützenden Projekte ca. 3 Millionen Euro mehr gebraucht hätte.
Seit 1963 hat das DFJW rund 8 Millionen jungen Deutschen und Franzosen die Teilnahme an rund 300.000 Austauschprogrammen ermöglicht. Das DFJW arbeitet mit über 7.000 Partnern zusammen und fördert jedes Jahr durchschnittlich ca. 9.000 Begegnungen (mehr als 5.000 Gruppenaustauschprogramme und rund 4.000 Individualaustauschprogramme), an denen 2011 ca. 195.000 Jugendliche teilgenommen haben.
4. Die Arbeitsbereiche
Das DFJW arbeitet nach dem Subsidiaritätsgedanken mit zahlreichen Partnern zu-sammen. Es stützt sich auf ein sehr breites Netzwerk von Partnern, die eigentlichen Akteure der Bildungs- und Jugendpolitiken an der Basis, Spezialisten auf dem Gebiet der Projektumsetzung in ihrem jeweiligen Handlungsfeld (Schulen, Berufs-schulen, Ausbildungszentren, Universitäten und Hochschulen, Vereine, Partnerstädte-Komitees, Ferienlager, Sportvereine, Jugendhäuser und kulturelle Institutionen, Jugendhilfeträger). Dank dieser Partner kann das DFJW seinen Aktionsradius flächendeckend und auf allen Ebenen der Gesellschaft um ein Vielfaches steigern. Das DFJW leistet Hilfestellung bei der Vorbereitung und Evaluierung der Begegnungen und spielt damit eine entscheidende Beraterrolle. Dies gilt für jährlich 11.000 Jugendbegegnungen.
Ziel ist es,
- die Beziehungen zwischen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie für die Jugendarbeit Verantwortlichen in beiden Ländern zu vertiefen
- die Kultur des Partners zu vermitteln
- das interkulturelle Lernen zu fördern
- bei der beruflichen Qualifizierung zu unterstützen
- gemeinsame Projekte für bürgerschaftliches Engagement zu stärken
- für die besondere Verantwortung Deutschlands und Frankreichs in Europa zu sensibilisieren
- die Neugier auf die Partnersprache zu wecken und zu vertiefen
Das DFJW ist ein Kompetenzzentrum für die Regierungen beider Länder und fungiert als Berater und Mittler zwischen den verschiedenen staatlichen Ebenen und den Akteuren der Zivilgesellschaft in Deutschland und Frankreich.
Dabei greift das DFJW immer wieder aktuelle Themen auf, die die Jugend in beiden Ländern bewegen (Integration, bürgerschaftliches Engagement, Jugendkultur, Zukunft Europas, wissenschaftlich-technische Themen, neue Medien, usw.).
Auszubildende, junge Arbeitssuchende, Studentenaustausche:
1.814 Be-gegnungen zwischen über 14.580 jungen Menschen pro Jahr: 598 Individual-stipendien und 393 Stipendien für Praktika im Hochschulbereich, 146 Seminare für 2.596 Personen sowie weitere Programme: Arbeit beim Partner (93 Teilnehmer), Austausche zwischen Einrichtungen der beruflichen und technischen Bildung sowie zwischen Auszubildenden an berufsbildenden Schulen: 440 Programme bzw. 8.660 Teilnehmer. Die Teilnahme an diesen Projekten bedeutet für die Jugendlichen eine Mobilitätserfahrung - ein Plus, das sich auch im beruflichen Werdegang widerspiegelt.
Schüleraustausch:
2.672 Begegnungen von Schulklassen mit fast 61.000 Schülern der Sekundarstufe und 76 Begegnungen mit 1.808 Schülern der Primarstufe.
Außerschulische Jugendbegegnungen:
1.080 Programme mit 18.963 Teilnehmern: Durchgeführt von Jugendverbänden, Städtepartnerschaftskomitees, Sportvereinen und Vereinen aus dem Kunst- und Kulturbereich und Programme zu wissenschaftlichen und technischen Fragestellungen. 53 Jugendliche erhielten 2011 ein Stipendium im Rahmen des Programms „In Frankreich unterwegs/Destination Allemagne“.
Erlernen der Partnersprache:
85 außerschulische Kurse für Jugendliche und Erwachsene und 350 Kurse für Kinder, 185 Stipendien für Sprachkurse und 57 Programme zum Erlernen der Tandem-Methode. 97 Grundschullehrerinnen und -lehrer haben ihre Muttersprache in Schulen des Nachbarlands unterrichtet. Herausgabe eines zweisprachigen Glossars zum Thema Kindergarten und Grundschule. Rund 20 Lehrerinnen und Lehrer wurden in der interaktiven Methode „Tele-Tandem®“ ausgebildet und wenden diese im Unterricht an. 250 deutsch-französische Kinderkisten ermöglichten den jüngsten Teilnehmern zwischen 3 und 6 Jahren erste Kontakte mit der Sprache und Kultur des Partnerlandes.
Pädagogik des interkulturellen Lernens:
133 bi- und trinationale Aus- und Fortbildungsprogramme zu Themen interkultureller Pädagogik. 97 Grundschullehrer, die am deutsch-französischen Grundschullehreraustauschprogramm teilnehmen. Erarbeitung von pädagogischem Material und begleitende Forschung.
Kommunikation und Veranstaltungen:
Thematische Begegnungen, Organisation von Eigenveranstaltungen, Presse- und Medienarbeit, Information von Jugendlichen und Multiplikatoren, Öffentlichkeitsarbeit. Das DFJW hat 2011 an 28 Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen teilgenommen, davon 19 in Deutschland und 9 in Frankreich.
Drittländerprogramme:
mehr als 300 trinationale Begegnungen mit über 6.000 Jugendlichen aus Deutschland, Frankreich und 45 Drittländern; schwerpunktmäßig mit den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie den Ländern des Mittelmeerraums.
* Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2011.